Geld ist keine Ware

Ich habe versucht, der überall mit Verve geführten, akademischen Diskussion über's Geld und sein (Un)Wesen, seine Kreierung, den Zins und seine Problematiken zu folgen und muss zugeben, dass ich so um die 50% nicht kapiert habe oder mir die Mühe nicht machen wollte, noch mehr zu lesen, weil die Argumente schlicht zu langatmig und elfenbeintürmig tönten und meines Erachtens am Problem vorbeidiskutierten.

Beim weiter darüber nachdenken kam ich zur Überzeugung, dass es auch hierfür eine einfache Lösung geben muss. Vielleicht naiv, aber man ist eben auch nur ein Mensch und die Hoffnung stirbt zuletzt.

Ich glaube, dass die Krux der ganzen Geldgeschichte die ist, dass die Hochfinanz das Geld den Menschen als reale Ware "verkauft", sie selber aber Geld virtuell führt.

Und dies läuft so :

Vom ehemalig virtuellen Tauschmittler ohne eigenen Wert (damals halt schon in materieller Form, vielleicht weil es die Elektronik noch nicht gab), der eingesetzt wird, um einfach - dh ohne irgendwelche Waren die ganze Zeit mitschleppen zu müssen - auf einem Marktplatz das einzukaufen was man benötigt und das zu verkaufen, was man zuviel hat oder um eine Leistung eines Vertragspartners einzukaufen und seine eigenen Leistungen zu verkaufen, ist das Geld einen langen Weg gegangen.

Weil es mit der Zeit von den Menschen mit Ware gleichgesetzt wurde - obwohl bis heute niemand Geld fressen und davon überleben kann - kam dann ein ganz Gescheiter auf die Idee, zu behaupten, Geld sei im Wert der jeweiligen Münze zu finden, sei Gold, sei endlich und kreierte flugs die Geldmenge.
Bingo. Jetzt ist der ganze Tauschhandel nicht mehr vom Wert der gehandelten Waren und Leistungen abhängig, sondern vom Geldwert. Und der inflationiert, weil die Geld- und Goldmengen (logischerweise wollen uns die Hochfinanz-Banker glauben machen) begrenzt sind.

Damit dies weiterhin in den Köpfen der Menschen eingeimpft bleibt, war die Anbindung aller Währungen an das Gold respektive den Urvater des Geldes, den Dollar wichtig. Gold - eine Ware - begann als Geld angesehen zu werden, obwohl es eben eine Ware ist. Als dann die Gleichung Geld = Gold überall drin war, konnte Geld jetzt auch an der Börse gegen anderes Geld (Devisen) spekulativ gehandelt werden wie Schweinehälften und Sojatonnen.

Als dann die Goldmenge einengend wurde und die Währungen zu stabil und um die Welt noch effizienter ausbeuten zu können, musste der Goldstandard wieder fallen.
Die Idee Geld=Gold=Ware=endlich blieb aber in den Köpfen der uneingeweihten Massen haften.

Geld ist jetzt wirklich virtuell, also elektronisch. Nichts zum Anfassen aber gut zum Geld (die Ware) verdienen für den Finanzadel. Kein Uneingeweihter kann da mehr mithalten. Auch nicht der Bauer, der eine Goldader auf seinem Feld findet. Er wird einfach mit Papierschnipseln ausgekauft. Gold braucht kein Mensch mehr. Geld wird auf Teufel komm raus nicht gedruckt, sondern ohne Leistungsgegenwert elektronisch kreiert und in Umlauf gebracht. Damit werden die materiellen Werte dieser Welt (eben auch Gold) gekauft, zu einem Bruchteil ihres eigentlichen Wertes. Mit der rasant steigenden "Geldmenge ohne Leistungsgegenwert" sinkt der Wert der Ware Geld natürlich und darum muss es jetzt schnell gehen, bis alles gekauft ist.

Wenn alles habbare in der Hand der Hochfinanz ist, kommt als nächstes mittels eines klitzekleinen inszenierten Crashs, der es erlaubt, die Hauptschuldnerwährung zu entwerten wieder die Rückkehr zum Goldstandard oder einem Standard, der auf anderen Warenwerten beruht - die ja dannzumals zumeist in Händen der Hochfinanz sind. Verkauft wird das als Rückkehr zu den wahren Werten, weil ja Geld zu unsicher ist (hear, hear). Weil das Leben teurer wird, fängt das Hamsterrad viele bisher Unabhängige ein.

Der nächste Zyklus wird wieder gleich ablaufen. Wenn dann also wieder der Standard zu einengend wird, wird er flugs wieder aufgehoben und als nächstes wird dann die nächste Währung entwertet - bis am Schluss einiger Zyklen eine Weltwährung installiert ist, alle wahren Werte verkauft sind und die Weltherrschaft etabliert ist.

Dieses Hin und Her und die Verklitterung von virtuell und real pumpt das Eigentum weg von den Vielen zu den Wenigen und saugt die Menschheit aus. Es siebt die Nicht-Eingeweihten aus und belohnt die unkritischen Wekzeuge. Die Bankiers und die CEOs der Welt-Monopolkonzerne werden die Alphas sein, die Operativen Chefs im Geschäft die Betas, und wir anderen Lemminge die zukünftigen immerglücklichen Gammas, Deltas, Epsilons, um mit Huxleys Bildern zu sprechen.

Kann diese "brave new world order " verhindert werden ?

Ich könnte mir folgendes vorstellen :

Neben Kantonen und Gemeinden kann Jedermann eine Bank gründen. Als Sicherheit für Kredite von der Landesbank sind 100% in Form von Vermögenswerten sicherzustellen. Wenn einer keine Kredite aufnehmen muss, kann er also mit seinem ganzen Vermögen Bank spielen.

Die Landeswährung (keine Multikultiwährung wie Euro oder so, sondern die Währung eines unabhängigen, freien Landes) darf nicht gehandelt werden an Börsen. Sie wird nicht für Spekulationen verwendet. Sie wird wie früher nur verwendet zur Vereinfachung des Eintausches von realer Ware gegen reale Leistung oder Ware gegen Ware, resp Leistung gegen Leistung.

Eine freie Landesbank, die nicht angeschlossen an irgendwelche Finanz- oder Wirtschaftskreise oder ans Ausland ist, dem Staat, also den Bürgern gehört und den Kantonal- oder Gemeinde- oder Geschäftsbanken virtuelles Geld in Landeswährung zur Verfügung stellt. Für diese Leistung zahlen die Banken einen Landesbankzins. Mit diesem Einkommen finanziert sich die Landesbank hauptsächlich. Sie hat die Möglichkeit, unbegrenzte Mengen an Geld zu kreieren, je nachdem, wieviel Geld von den Banken nachgefragt wird. Die Landesbank ist frei, die Zinshöhe mit jeder Bank je nach Bonität einzeln zu verhandeln. Banken dürfen auch untereinander Kredite vergeben, dies ist jedoch meistens unattraktiv, da die Landesbank günstigere Zinsen verlangt.

Die Banken verwalten ihrerseits die Gelder der Bürger, führen Konti und Depots gegen eine Gebühr für diese Leistung. Sie sind frei in der Gestaltung dieser Gebühren. Sie leihen virtuelles Geld aus, und erhalten dafür den Bankenzins, dessen Höhe sie frei mit den Kreditnehmern verhandeln. Die Banken finanzieren sich mit diesen Gebühren und Zinsen. Geschuldete Zinsen werden nie mit Guthaben kumuliert, sondern bilden eine eigene Schuld, es werden also keine Zinseszinsen mehr eingefordert.

Absprachen zur Höhe von Gebühren und Zinsen sind verboten.

Die Bürger kaufen Waren und Leistungen gegenseitig ein und zahlen mit virtuellem Geld. Wollen Sie einen Kredit aufnehmen, um mehr zu kaufen, als sie sich leisten können, gehen sie zu einer Bank, verpflichten sich zur Zahlung einer Gebühr pro Zeiteinheit (Zins oder Festgebühr) und kriegen das Geld ausgeliehen - wenn der Schuldner in spe die Banker überzeugen kann, dass er zum Rückzahlungstermin hin zahlungsfähig sein wird. Die Bank muss ja dieses Geld eventuell selbst irgendwo leihen und Zins dafür zahlen.

Die Landesbank legt den Wechselkurs mit anderen Währungen fest. Sie ist die Drehscheibe für alle Transaktionen in denen die eigene in andere Währungen gewechselt werden muss oder umgekehrt. Alle Banken müssen ihnen angetragene Transaktionen die Fremdwährungen involvieren über die Landesbank abwickeln.

Somit :

Es gibt keinen Zinseszins. Zins hingegen gibt es, weil Mehrleistungen - die u.U. mit Krediten gefördert werden können - Mehrwerte schaffen.
Es gibt keine In- oder Deflation, weil die Geldmenge virtuell, nur gegen Leistung kreiert und somit gegen oben und unten unbegrenzt flexibel ist.
Es gibt keine spekulationsbedingte Währungsrisiken.
Es gibt keine Ware "Geld". Das wahre Geld ist wieder nur ein für sich wertloser virtueller Tauschmittler.

Ich denke, Komplementärwährungen könnten in diese Richtung marschieren, wenn sie nicht anfangen, Geld zu drucken, sondern damit schön virtuell bleiben, ihre "Währungen" also auch nicht an irgendeine Landeswährung anbinden. Sie müssen bei Systemanfang nur eine einzige beliebige Wertung vornehmen, die während sagen wir mal 2 Jahren fix bleibt und der Markt regelt sich sodann mittels Angebot und Nachfrage selbst ein. So eine Anfangswertung wäre zBsp "1kg Demeter Roggen kostet 2 Schweizer Taler". Dieser Wert wird während genau 2 Jahren so bleiben. Diese eine fixe Wertung ermöglicht die Gestaltung eines flexiblen, sich nach Angebot und Nachfrage an der Anfangswertung ausrichtenden Marktes (ZBsp : Würde ich den Wert meiner Arbeitsleistung pro Stunde in einem System mit obiger Anfangswertung auf 10 Schweizer Taler festlegen und kein Schwein stellt mich an, reduziere ich auf 8, auf 7 etc, bis ich vom Verdienten leben kann und umgekehrt - komm ich mit der Arbeit nicht nach, erhöhe ich auf 12 und mehr, bis sich ein für mich stimmiges Gleichgewicht einpendelt). Nach diesen 2 Jahren hat sich eine Wertetabelle etabliert, jetzt kann die fixe Wertung aufgehoben werden und jedes Produkt findet sich in einem anpassungsfähigen labilen Gleichgewicht zu den anderen wieder.


Was meinen die Experten zu dieser Laien-Idee und der Einschätzung der jetzigen Situation ?

Michael Brandenberger
8800 Thalwil
mbrandenberger@cyberlink.ch

24. März 2008
von: