Hollande kriecht vor den Diktatoren der Ölmonarchien

Unter Präsident François Hollande und Außenminister Laurent Fabius ist die französische Außenpolitik ein fünfbeiniges Schaf ohne Kohärenz und ohne Prinzipien. Da der Regierung der Mut zu einer Finanzreform fehlt, die reales Wachstum ermöglichen würde, muß sie sich jetzt dazu herabwürdigen, im Ausland um Geld zu betteln, um sich über Wasser zu halten. Das ist nicht nur ein trauriger Zustand eines Landes, das unter Charles de Gaulle einst stolz und unabhängig war, es hat auch mörderische Folgen für die Welt, wenn Frankreich außer seinen modernen Waffen nichts mehr zu verkaufen hat und diese Waffen den wahabitischen Ölmonarchien im Pulverfaß Nahost liefert.

Gleichzeitig sabotierte Hollande die Siegesfeier in Moskau und gab Präsident Putin die Schuld an einer Ukrainekrise, die von den Finanzmächten der City und Wall Street inszeniert wird, die Moskau seit dem Fall der Berliner Mauer unter ihre imperiale Herrschaft zwingen wollen. Statt dessen legte Hollande am 8.5. zusammen mit US-Außenminister Kerry einen Kranz an de Gaulles Grab ab. Sein Einsatz für „Frieden und Demokratie“ in der Ukraine hält ihn nicht davon ab, sich bei den repressivsten, undemokratischsten Monarchien der Welt anzubiedern, wie Katar und Saudi-Arabien, den Geldgebern des Dschihad-Terrorismus in aller Welt, die von Paris jetzt als „moderate“ Sunniten gelobt werden.

Am 4.5. unterzeichnete Hollande in Doha in Katar einen Vertrag über den Verkauf von 24 Rafale- Kampfjets im Wert von 6,3 Mrd.$. Dann flog er nach Saudi-Arabien, wo er die „Ehre“ genoß, als erstes westliches Staatsoberhaupt an einem Gipfeltreffen des Golf-Kooperationsrats, dem elitären Club aller sunnitischen Ölstaaten am Persischen Golf, teilzunehmen.


Paris setzt aus wirtschaftlichen und strategischen Gründen auf ein Bündnis mit Riad. Wirtschaftlich bieten die Saudis Hunderte Milliarden Dollar Öleinnahmen, einen demographischen Boom und ein Programm für den Bau von 16 Kernkraftwerken. Derzeit laufen Verhandlungen über 20 Verträge im Wert von mehreren Dutzend Milliarden Euro in den Bereichen Energie (nuklear, solar), Verkehr, Rüstung, Luft- und Raumfahrt. Strategisch verbündet Hollande sich mit den Bollwerken der sunnitischen Mittelalterfraktion gegen den Iran und dessen Verbündete in Syrien und im Libanon. Dabei weiß die französische Führung sehr gut, daß König Salman mit dem Putsch im Januar den Suderi-Clan an die Macht brachte, eine sunnitische Hardlinerfraktion, zu der auch Prinz Bandar gehört. Der Krieg gegen den Jemen hat die Macht dieser Fraktion gefestigt. Natürlich versucht Paris auch, aus dem Zwist zwischen dieser Fraktion und Washington Profit zu schlagen. In den USA wächst der Druck, die Wahrheit über die saudische Verwicklung in die Angriffe des 11. September 2001 ans Licht zu bringen.

Offenbar haben die Franzosen aus den Pariser Terroranschlägen vom Januar nicht gelernt, daß man lieber nicht mit dem Teufel tanzen sollte.

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Caroline Hartmann redigiert den wöchentlichen Newsletter des Schiller-Instituts e.V., aus dem dieser Text entnommen ist. Das Schiller-Institut mit Sitz in Laatzen bei Hannover wurde 1984 gegründet und wendet sich «gegen die trotzigen Anmassungen der Fürstengewalt» (Schiller).


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