Knete, selbst gemacht

Wie kommt man zu Geld, und zwar ohne zu arbeiten, legal, steuerfrei und ziemlich sicher? Lottospielen und auf die Erbschaft warten? Unsicher. Eine Bank ausrauben? Geldscheine nachdrucken? Illegal und riskant. Olaf weiß, wie es geht. Olaf hat immer Geld und Zeit für Reisen. Parties und Projekte, die sich nicht lohnen müssen. Eberehard Hierse hat mit ihm gesprochen.



Eberhard Hierse: Olaf, wovon lebst du?


Olaf: Ich mache Geld und gebe es dann aus.

EH: Wie, du machst Geld?


Olaf: Ja.


EH: Aber das ist doch verboten...

Olaf: Nö, ich fälsche doch keine Scheine. Ich gehe zum Automaten und ziehe Echte raus.


EH: Und irgendwann ist Dein Dispo ausgereizt.

Olaf: Unwahrscheinlich. Meine Kreditlinie wird immer größer.


EH: Das gibt’s nicht.

Olaf: Doch, wenn die Sicherheit hinter dem Kredit immer mehr wert ist...


EH: Welche Sicherheit?


Olaf: Ich beleihe mein Wertpapierdepot. Meine Aktien sind die Sicherheit, und die steigen. Deshalb bekomme ich immer mehr Kredit.

EH: Und irgendwann krachen deine Aktien und du gleich mit, weil du den Kredit dann nicht mehr zurückzahlen kannst...


Olaf: Unwahrscheinlich. Erstens kann ich die Aktien nur zur Hälfte des Wertes beleihen. Sie müssen also schon sehr tief fallen, bis die Bank den Kredit kündigt und die Sicherheit vollstreckt, d.h. die Aktien zwangsverkauft. Zweitens achte ich darauf, dass ich es nicht übertreibe und nicht in die Nähe der Beleihungsgrenze komme. Drittens steigen die Aktien auch deshalb, weil immer mehr Leute ihre Aktien beleihen, d.h. auf Kredit weitere Aktien kaufen bzw. ihre Aktien nicht mehr verkaufen müssen, um sie zu Geld zu machen. Viertens habe ich sehr verschiedene Aktien und kaufe nur welche, die von Inflation profitieren, vor allem Rohstoffwerte. Unwahrscheinlich, dass alle auf einmal fallen und keine steigen.

EH: Aber die Banken können doch nicht einfach immer mehr Kredit geben. Soviel Geld ist doch gar nicht da. Es kann doch nur soviel Kredit geben, wie auf der anderen Seite Leute Geld in die Bank einzahlen!


Olaf: Das ist das, was die meisten Menschen glauben. Das Geld, was ich durch den Kredit ausgeben kann, hat aber vorher nicht existiert, es entsteht neu. Ich nehme also niemandem Geld weg.

EH: Das glaube ich nicht. Die Banken können doch kein Geld aus dem Hut zaubern! Das Geld darf doch nur der Staat machen!


Olaf: Bargeld darf nur der Staat machen. Aber die Banken können sich jederzeit so viel Bargeld liefern lassen, wie sie wollen. Sie bekommen Bargeld, indem sie der Zentralbank Zahlungsversprechen geben, die sie durch Kreditvergabe erzeugen. Indem ich also mein Depot beleihe und mir die Bank Kredit gibt, kann die Bank diese Forderung gegen mich bei der Zentralbank gegen Bargeld eintauschen, das ich dann aus dem Automaten ziehe. Die Frage ist nur, ob Kredite getilgt oder aufgeschuldet werden.

EH: Aber jeder Kredit muss zurückbezahlt werden. Plus Zinsen


Olaf: Mein Kredit wird nicht getilgt. Und hat auch keine Laufzeit.

EH: Das kann nicht sein.


Olaf: In den Kreditbedingungen steht natürlich: „Kredite sind zurückzuzahlen.“ Das liegt aber im Ermessen der Bank. Und Wertpapierkredite müssen in der Praxis nicht getilgt werden, solange die Besicherung ausreicht, d.h. die Wertpapiere beim Verkauf genug einbringen würden. Und je mehr Wertpapierkredite vergeben wird, desto höher steigen die Börsen und desto mehr Wertpapierkredite können vergeben werden.

EH: Aber ein Kredit, der nicht getilgt werden muss, ist doch quasi geschenktes Geld... Das ist ungerecht.


Olaf: Naja, eigentlich hat die Bank nicht wirklich Interesse daran, das Kredite getilgt werden. Sie macht nur Gewinn, wenn sie Zinsen kassiert, und die Zinsen müssen durch zusätzliche Kredite in die Welt kommen. Alles Geld entsteht durch Kreditvergabe der Banken. Ohne Kredit kein Geld, ohne Geld keine Wirtschaft und auch keine Banken.

EH: Ich finde das trotzdem unmoralisch, was die Bank da macht und dass Du das mitmachst.


Olaf: Warum? Die Banken freuen sich, dass sie immer mehr Kredit vergeben können und so Gewinne machen, weshalb auch die Börsen steigen, was die Anleger und die Aktiengesellschaften freut. Und jemand wie ich gibt das zusätzliche Geld, das durch den Kredit in die Welt kommt, aus, und die Verkäufer freuen sich über die zusätzlichen Einnahmen, was die Wirtschaft ankurbelt. Alle sind zufrieden

EH: Das ist trotzdem unfair. Denn die meisten Menschen arbeiten für ihr Geld.


Olaf: Was wäre in meinem Fall die Alternative? Jemandem einen der knappen Arbeitsplätze wegnehmen? Für weniger Geld arbeiten als jemand anderes und die Löhne drücken? Aufs Amt gehen und die Hand aufhalten? Mich selbständig machen und wahrscheinlich scheitern, weil mich dann alle möglichen Stellen bürokratisch regulieren und abkassieren? Nö, ich finde das sehr sozial, was ich mache. Alle schreien nach Geld und ich mache welches und gebe es ihnen, ohne irgendjemandem kostbare Arbeit oder Geld wegzunehmen.

EH: Das gehört verboten.


Olaf: Der Staat hat nichts dagegen. Ich muss noch nicht einmal Steuern zahlen, und falls ich irgendwann doch mal Aktien verkaufe und tilge, dann ist auch das steuerfrei, wenn ich die Aktien mindestens ein Jahr lang im Depot hatte.

EH: Unglaublich. Warum macht das nicht jeder?


Olaf: Dann würde es natürlich nicht mehr funktionieren, und wir hätten die Hyperinflation schon jetzt. Gottseidank sind so viele Leute so heiß drauf, zu arbeiten und Steuern zu zahlen, dass sie an gar nichts anderes mehr denken können.

Hier der Beweis:
http://www.bundesbank.de/bildung/bildung_sekundarstufe2.php http://www.cortalconsors.de (Suche unter „Effektenkredit“)
Eberhard Hierse, 36, befasst sich mit den modernen Mythen rund um das Glaubenssystem der politischen Korrektheit. er Schreibt regeelmässig für den Zeitpunkt.
Kontakt: e.hierse@gmx.de
07. Mai 2007
von: