Manipulation der Rohstoffpreise

Der Vorsitzende des Ständigen Ermittlungsausschusses des US-Senats, Sen. Carl Levin aus Michigan, stellte am 19.11. die Schlußfolgerungen des 400seitigen Berichts vor, den sein Stab gerade fertiggestellt hat. Die zweijährigen Untersuchungen befaßten sich mit der Rolle der Banken in den Rohstoffmärkten, u.a. für Metalle, Erdöl und Strom. Die Untersuchungen, bei denen die Aktivitäten von JP Morgan Chase, Morgan Stanley und Goldman Sachs im Mittelpunkt standen, belegten folgende vier Punkte:

1. Mit ihren Rohstoffgeschäften gingen die Banken „katastrophale Risiken“ ein, weil im Falle eines Preissturzes von Rohstoffen ihre Verluste die Stabilität des Finanzsystems gefährden können.

2. Die Manipulation der Rohstoffpreise treibt die Kosten in die Höhe und setzt industrielle und private Verbraucher vermehrt Unsicherheiten aus.

3. Die Banken haben durch ihre Geschäfte Zugang zu Informationen, mit denen sie die Aktienbörse manipulieren können.

4. Mit ihrem Rohstoffhandel kann die Wall Street den Wert von Finanzinstrumenten, die an Rohstoffe gebunden sind, beeinflussen.

Levin gab einen Einblick in das Ausmaß des Rohstoffhandels der Banken:
* Morgan Stanley besitzt hundert Öltanker und hat Öl- und Gaslager, die denen der Öl-/Gaskonzerne nicht nachstehen;
* JPMC hat Rohstoffbesitz in Höhe von 12% des Kernkapitals der Bank. 
* Goldman Sachs betreibt im Raum Detroit mit Aluminium ein „Karussell“ von einem Lagerhaus zum nächsten, und die verlängerten Lagerzeiten treiben den Preis beträchtlich nach oben. Seit 2010 ist der Preisaufschlag für Lagerzeiten deshalb von 6% auf 20% gestiegen. Goldman besitzt 80% aller Aluminium-Lagerhäuser in den USA und Europa und macht Riesenprofite durch Preismanipulation mit Aluminium-Leergeschäften und -Derivaten. Zeugen aus der Branche bestätigen, daß der Markt völlig umgekrempelt wurde, seit Goldman die Lager erworben hat. Früher warteten Unternehmen 1-2 Wochen auf die Lieferung von gelagertem Aluminium, das ihnen gehört, heute sind es 63 Tage, bei horrenden Kosten.

Goldman Sachs entließ am 20.11. hastig zwei Mitarbeiter, einer davon hochrangig, die vor ihrer Tätigkeit bei der Bank mehrere Jahre bei der Federal Reserve von New York gearbeitet hatten. Die Bank hatte es mit der Entlassung eilig, weil am 21.11. im Senats-Bankenausschuß darüber diskutiert wurde, wie Goldman und JP Morgan die New Yorker Fed „in der Tasche“ haben. Die beiden Mitarbeiter hatten Goldman Sachs wertvolle Informationen über das Aufsichtsverhalten der Fed gegenüber einer anderen Wallstreet-Bank geliefert - und prompt darüber ausgesagt, weshalb nun das FBI und die Staatsanwaltschaft in Manhattan ermitteln.


Caroline Hartmann redigiert den wöchentlichen Newsletter des Schiller-Instituts e.V., aus dem dieser Text entnommen ist. Das Schiller-Institut mit Sitz in Laatzen bei Hannover wurde 1984 gegründet und wendet sich «gegen die trotzigen Anmassungen der Fürstengewalt» (Schiller).


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28. November 2014
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