Manipulation, Macht und Monopol

Monsanto, der weltgrösste Hersteller von gentechnisch verändertem Saatgut, dominiert den Markt wie kein anderes Unternehmen: Marktanteil am weltweit vermarkteten Gentech-Saatgut 90 Prozent, Nettorekordeinkünfte 1,12 Mrd. Dollar im zweiten Quartal.

Diese Quasi-Monopolstellung wird jedoch nicht nur von Gentechnik-Gegnern aufs Schärfste kritisiert. "Dem Engagement auf diesem Gebiet verdankt Monsanto auch, dass es zum umstrittensten Unternehmen des modernen Industriezeitalters wurde", schreibt etwa arte online. Neben den Produkten selbst ist auch die Art und Weise, wie Monsanto seine Vormachtstellung erreichen konnte, heftig umstritten.
"Das Unternehmen ist dazu in der Lage, amerikanische und europäische Regulierungsinstanzen zu manipulieren, Journalisten und Forscher zu entlassen und missliebige Untersuchungen abzubrechen", warnt die französische Journalistin Marie-Monique Robin in einem arte-Interview. Robin hat drei Jahre aufgewendet, um die ihrer Meinung nach fragwürdigen Machenschaften des Mega-Konzerns zu durchleuchten.

Agent Orange und PCB
Für Negativschlagzeilen hat Monsanto bereits mit mehreren Produkten gesorgt. Bekannt wurde das 1901 gegründete ehemalige Chemieunternehmen mit dem heute als chemischer Kampfstoff klassifizierten Herbizid "Agent Orange", das im Vietnamkrieg zum Einsatz kam. Das Monsanto-Wachstumshormon rBST, das die Milchleistung bei Rindern steigert, soll Medien zufolge die Wahrscheinlichkeit von Euterentzündungen erhöhen und gesundheitliche Schäden beim Menschen durch Rückstände in der Kuhmilch verursachen. Die in der Industrie häufig verwendete Substanz PCB (Clophen) aus dem Monsanto-Sortiment wird hierzulande seit den 1980er Jahren als hochgiftig eingestuft.

Wasser monopolisieren
Dabei liegt das Kerngeschäft des Konzerns Unternehmensangaben zufolge in der Entwicklung, Produktion und dem Vertrieb von gentechnisch verändertem Saatgut der Kulturpflanzen Mais, Sojabohne und Raps. "Ein grosses Problem etwa ist die Verbreitung der Gentech-Baumwolle seitens des Saatgutkonzerns", meint Christian Felber, Globalisierungsexperte bei der NGO Attac http://www.attac.at , im Gespräch mit pressetext. Ebenso, so die Kritik, würden die Wasser- und Aquakultur-Geschäfte des Unternehmens das Ziel verfolgen, die für das Überleben wichtigen Ressourcen zu monopolisieren und in einen Markt zu verwandeln. "Über kurz oder lang scheint das Unternehmen die gesamte Nahrungsmittelkette zu kontrollieren", folgert arte.

Gentech-Hochrisikopflanzen
Dabei argumentiert Monsanto, gentechnisch verändertes Saatgut könne den Welthunger bekämpfen und führe zu höheren Erträgen. Wie eine Studie der Universität von Kansas aufzeigt, bringt Gentech-Soja im Vergleich zu konventionellem Saatgut jedoch um zehn Prozent weniger Ertrag. Schädlingsresistente Pflanzen werden von anderen, bisher unbekannten Krankheiten befallen, berichtet die taz. Darüber hinaus kontaminiere das genetisch veränderte Saatgut Boden und Umwelt, wodurch natürliches Saatgut unbrauchbar würde. So wurde der Monsanto-Gentech-Raps GT73 von der Europäischen Umweltbehörde als Hochrisikopflanze bezüglich des unkontrollierten Vordringens in die Natur eingestuft (pressetext berichtete: http://pte.at/pte.mc?pte=051107044 ).


Mehr Informationen:
http://www.pressetext.ch/pte.mc?pte=080517002