Seymour Hersh zerpflückt Obamas Version des Mordes an Bin Laden

Der bekannte Enthüllungsjournalist Seymour Hersh hat in einem langen Beitrag für die London Review of Books auf der Grundlage von Gesprächen mit vielen Quellen aufgezeigt, daß die offizielle Version vom Tod des Al- Kaida-Gründers Osama bin Laden eine Fälschung des Weißen Hauses ist, „die von Lewis Carroll“ (dem Autor von Alice im Wunderland) „stammen könnte“. Die Enthüllungen sind um so brisanter, als Barack Obama immer behauptet hat, Bin Ladens Tötung am 2.5.2011 sei sein „größter außenpolitischer Erfolg“, und diese auch beträchtlich zu seiner Wiederwahl 2012 beitrug. Wie zu erwarten, versuchen Obamas Weißes Haus und die ihm hörigen Nachrichtendienste und Massenmedien, sich über Hershs Version lustig zu machen, aber Hersh läßt sich nicht beeindrucken.

Bin Laden wurde zwar wirklich von einem Spezialkommando der US Navy Seals getötet, aber Hersh erklärt, entgegen Obamas wiederholter Behauptung seien sie von pakistanischen Beamten hereingelassen worden. Der Al-Kaida-Gründer habe faktisch seit 2006 in Pakistan unter Hausarrest gestanden, und Saudi-Arabien habe dafür viel Geld bezahlt unter der Bedingung, daß die USA den Aufenthaltsort nicht erfahren. Die Saudis fürchteten, die USA könnten die Pakistaner unter Druck setzen, damit Bin Laden erzählt, „was die Saudis mit Al-Kaida gemacht haben“.

In Interviews erklärte Hersh später, ein pakistanischer Militärangehöriger habe den USA den Aufenthaltsort für 25 Mio.$ Belohnung verraten. Höchste pakistanische Stellen, u.a. der Stabschef der Streitkräfte und der Chef des Geheimdienstes ISI, hätten bei der Kommandoaktion kooperiert, unter der Bedingung, daß ihre Beteiligung geheim bleibt.  Ursprünglich sollte nach ein paar Tagen verkündet werden, Bin Laden sei durch einen Drohnenangriff in Afghanistan getötet worden. Aber Obama hielt sich nicht an die Absprache und ging sofort mit seiner Version an die Öffentlichkeit, womit sorgfältig geplante Täuschungsmanöver und andere Vorbereitungen der beteiligten Nachrichtendienste zunichte gemacht wurden und eine neue Stufe von Lügen und widersprüchlichen Erklärungen notwendig wurde.


Mehr dazu in der Huffington Post: http://www.huffingtonpost.de/2013/09/30/seymour-hersh-osama-bin-laden_n_4015487.html


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Caroline Hartmann redigiert den wöchentlichen Newsletter des Schiller-Instituts e.V., aus dem dieser Text entnommen ist. Das Schiller-Institut mit Sitz in Laatzen bei Hannover wurde 1984 gegründet und wendet sich «gegen die trotzigen Anmassungen der Fürstengewalt» (Schiller).


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25. Mai 2015
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