Tibet: China hat die Gewalt mit verkleideten Polizisten selbst geschürt

Die Beweise häufen sich, dass das chinesische Regime die Gewalt in Lhasa geschürt hat, um die friedlichen Proteste der Mönche zu diskreditieren.
(siehe auch: http://www.phayul.com/news/article.aspx?id=20039)
Nach Aussage des Chinesischübersetzers des Dalai Lama, Ngawang Nyendra, erzählte eine Augenzeugin, dass ein chinesischer Polizist in Lhasa sich als Tibeter verkleidet und mit einem Messer in der Hand unter die Protestierenden gemischt habe. Dieselbe Zeugin erkannte den Mann in einer Sendung von BBC und auf dem von den Chinesen zur Verfügung gestellten Filmmaterial wieder.

(Es handelt sich um das Reuters-Foto mit Titel «A protester burns a Chinese flag, over burning bicycles, Lhasa 14 March: http://www.phayul.com/news/article.aspx?id=19644&t=3&c=1

Die Zeugin, eine Chinesin aus Thailand, die anonym bleiben möchte, weilte als Studentin in Lhasa, als die Proteste ausbrachen. Sie pflegte häufig einen ihrer Freunde, einen Polizisten, in der örtlichen Polizeistation zu besuchen, wo sie auch mit anderen Polizisten bekannt wurde.


Auf die Unruhen vom 14. März hin wurde sie zusammen mit anderen Ausländern in die örtliche Polizeistation gebracht. Dort sah sie, wie einige bei den Protesten verhaftete Tibeter hereingeführt wurden. Unter ihnen habe sich auch ein Mann mit einem Messer in der Hand befunden, der später seine Kleidung im tibetischen Stil ablegte und wieder seine Polizeiuniform anzog.

Am folgenden Tag musste diese Chinesin zusammen mit Ausländern das Land verlassen. Als sie in Indien die BBC-Fernsehnachrichten sah, erkannte sie den Polizisten, den sie in Lhasa in tibetischer Kleidung gesehen hatte, wieder, ebenso auf dem von der chinesischen Botschaft an die Medien gelieferten Fotomaterial, auf dem unter den Protestierenden ein mit einem Messer bewaffneter vermeintlicher Tibeter gezeigt wird. Ngawang Nyendra sagte, die Chinesin sei über den Anblick des Polizisten in den BBC-Nachrichten schockiert gewesen, denn sie habe erst jetzt richtig begriffen, dass dieser Mann sich als ein Tibeter verkleidet hatte, um andere Menschen zu Gewaltakten zu animieren.

Die Zeugin trat sogleich mit einer tibetischen Exilorganisation in Indien in Kontakt und berichtete dort, was sie gesehen hatte. Bei einer Kundgebung am 17. März 2008 zeigte die Organisation ein Foto, das von der chinesischen Botschaft in Indien verbreitet wurde und auf dem der Polizist als ein tibetischer Randalierer erscheint.


Bei Xinhua und auf anderen chinesischsprachigen und regimetreuen Websites war der verkleidete Polizist nach der Kundgebung, auf der die Zeugin über ihre Beobachtungen gesprochen hatte, plötzlich aus dem Foto verschwunden. Aber bald danach tauchte das ursprüngliche Bild mit dem Mann und dem Messer wieder auf.

Ngawang Nyendra erklärte: «Dieses Foto, auf dem der Mann mit dem Messer erscheint, wurde von der chinesischen Botschaft an BBC und Radio Free Asia gegeben. Das retuschierte Foto wurde erst später ausgesandt. Die Fotos sind völlig identisch, nur dass auf dem zweiten der Mann mit dem Messer verschwunden ist.

Auf dem Film der Fernsehnachrichten kann man erkennen, wie der Mann mit dem Messer auf andere Leute losgeht. Doch in späteren Aufnahmen ist er nicht mehr zu sehen. Das war alles nur gestellt. Nachdem Fragen über dieses Bildmaterial laut wurden, erschien es nie mehr im Fernsehen.»

Weitere Beweise

Die wichtigste Aussage der dramatischen Geschichte des Übersetzers des Dalai Lama, dass nämlich das chinesische Regime die Unruhen in Lhasa angefacht hat, wird nun auch durch andere Quellen erhärtet. Zunächst einmal ist zu erwähnen, dass das chinesische Regime für derartige Täuschungsmanöver berüchtigt ist.

Dies war nicht das erste Mal, dass die kommunistische Partei Chinas verkleidete Polizisten als Randalierer zu friedlichen Protesten der Tibeter schickte, um die Gemüter aufzupeitschen und am Ende die Demonstranten der Gewalt bezichtigen zu können.

In seinem Artikel «Events in Lhasa, March 2-10, 1989», erläuterte der chinesische Journalist Tang Daxian, wie die kommunistische Partei Chinas mit Vorbedacht Gewalttaten inszenierte, um dann die Proteste im Jahre 1989 um so heftiger niederschlagen zu können.

In dem Artikel heisst es: «Am frühen Morgen des 5. März erging ein Befehl des Kommandeurs der Bewaffneten Volkspolizei Li Lianxiu: Die Spezialeinheiten müssen sofort 300 Mann abstellen, die sich als normale Tibeter oder Mönche zu verkleiden haben. Sie sollen sich dann zur Eight-Corner-Street und anderen Unruheherden in Lhasa begeben, um dort Polizisten in Zivil bei ihrer Arbeit zu unterstützen.
‹Verbrennt die Schriftenpagode nordöstlich vom Dazhao-Tempel. Zerstört den Reisladen im Geschäftsviertel, hetzt die Leute auf, Reis und andere Nahrungsmittel zu stehlen und greift die Tibet-Gansu-Handelsgesellschaft an. Hetzt die Leute zum Plündern auf, aber nur an den genehmigten Plätzen›.»

Der Kommentator Chen Pokong schrieb: «Die Szenerie der diesjährigen Proteste ähnelte sehr stark der von 1989. Eine Gruppe von jungen Männern zwischen 20 und 30 Jahren agierte in gut organisierter Weise. Zuerst riefen sie Parolen, dann zündeten sie in der Nähe des Klosters Ramoche ein paar Autos an, plünderten dann die umliegenden Läden und setzten schliesslich etliche davon in Brand.

Das wirkte alles wohl geplant und gut koordiniert. Die Aktionen wurden sehr professionell durchgeführt. An der Kreuzung beim Kloster Ramoche waren im voraus Steine von ähnlicher Grösse und ca. acht kg Gewicht deponiert worden. Seltsamerweise entgingen diese Steine der Aufmerksamkeit der zahlreichen Polizisten und Agenten in Zivil, die doch überall in der Stadt präsent waren.»

Chens Schilderung von dem, was dieses Jahr geschah, wird von dem britischen High-Tech-Geheimdienst GCHQ bestätigt, dessen Satelliten angeblich beobachteten, wie chinesische Polizisten die Unruhen in Lhasa anfachten, heisst es in einem Bericht des G2-Bulletin.

Derartige Berichte werfen Licht auf einen etwas verwirrenden Bericht der New York Times über die Szenen in den Strassen von Lhasa am 14. März. Die NY Times schrieb: «Ausländer und Einwohner der Stadt, die Zeugen der Gewalttätigkeiten wurden, waren verblüfft von dem Anblick, der sich ihnen bot. Vor allem fiel ihnen auf, dass die Polizei fehlte. Beamte der Bereitschaftspolizei ergriffen nach dem ersten Gerangel die Flucht und waren nirgendwo mehr zu sehen.
Ein Mönch, der per Telefon kontaktiert wurde, sagte, anderen Mönchen wäre aufgefallen, dass die Polizei offenbar mehr am Filmen interessiert gewesen sei, als daran, gegen die Gewalt einzuschreiten. ‚Sie standen einfach da und schauten zu’, sagte der Mönch. ‚Sie machten einige Videos und schossen Fotos mit ihren Kameras’».

Die Veröffentlichung des Bildes von dem Mann mit dem Messer durch Xinhua und seine Verbreitung durch die chinesische Botschaft fügt sich dem Übersetzer des Dalai Lama zufolge genau in die Beobachtungen dieses Mönchs. Unterdessen versichern die Tibeter weiterhin, dass das chinesische Regime die Welt über die Vorgänge bei den Protesten in Lhasa getäuscht hat.

Bei einer Presseveranstaltung am Donnerstag (27. März) beim Jokhang-Tempel in Lhasa näherten sich 30 junge Mönche den Journalisten. Dem Reporter Callum McLeod von USA Today zufolge riefen sie: «Glaubt ihnen nicht, sie täuschen Euch, sie erzählen Lügen!»
Übersetzung: Irina Raba, Revision: Adelheid Dönges
Quelle:
Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM)
Arbeitsgruppe MünchenAdelheid Dönges, Packenreiterstr. 18, 81247 MünchenTel (+49 89) 811 35 74 tibet@igfm-muenchen.de
www.igfm-muenchen.de/tibet/tibetstart.html
Spendenmöglichkeit: IGFM München, * Kto 158393803, Postbank München, BLZ 700 100 80 * IBAN DE71700100800158393803 - BIC PBNKDEFF


08. April 2008
von: