UN-Vollversammlung wird zum Forum des Neuen Paradigmas

Während der Vollversammlung der Vereinten Nationen (UNGA) in New York haben die Staats- und Regierungschefs der BRICS-Gruppe - Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika - und ihre Verbündeten deutlich gemacht, dass sie entschlossen sind, ihre Völker durch wirtschaftliche Entwicklung zu schützen und sich dem Diktat der Finanzoligarchie der Wall Street und der Londoner City nicht zu beugen.


Im Gegensatz dazu bekräftigten die Regierungen des Westens, dass sie entschlossen sind, das todgeweihte transatlantische Finanzsystem und seine Banken um jeden Preis zu verteidigen, nicht zuletzt durch immer offenere Angriffe auf die nationale Souveränität. Vor allem US-Präsident Barack Obama nutzte die Gelegenheit, gegen Russland zu zetern, er warf dem Kreml eine Politik «Macht geht vor Recht» vor. Die USA dagegen seien überzeugt, dass «grosse Länder nicht in der Lage sein sollten, kleinere zu drangsalieren». Den Anwesenden konnte die Ironie nicht entgehen, dass das ein Mann sagte, der seit seinem Amtsantritt nicht weniger als sieben Länder bombardieren liess!


Indiens Premierminister Narendra Modi, der erstmals an einer UNGA teilnahm, fasste das neue Paradigma, das sich in der Welt ausbreitet, mit einem Kommentar über bestehende Staatengruppen wie G-7 und G-20 zusammen: «Heute agieren wir immer noch in verschiedenen ,Gs’ mit verschiedenen Zahlen. Auch Indien ist an einigen davon beteiligt. Aber inwieweit sind wir fähig, als eine ,G- 1’ oder ,G-Alle’ zusammenzuarbeiten? Auf der einen Seite sagen wir, dass unsere Schicksale miteinander verflochten sind, aber auf der anderen denken wir immer noch in den Begriffen eines Nullsummenspiels: Wenn der andere gewinnt, muss ich verlieren. Es ist leicht, zynisch zu sein und zu sagen: ,Es wird sich nichts ändern’ - aber wenn wir das tun, dann riskieren wir, unsere Verantwortung zu vernachlässigen, und wir bringen unsere kollektive Zukunft in Gefahr.»



Caroline Hartmann redigiert den wöchentlichen Newsletter des Schiller-Instituts e.V., aus dem dieser Text entnommen ist. Das Schiller-Institut mit Sitz in Laatzen bei Hannover wurde 1984 gegründet und wendet sich «gegen die trotzigen Anmassungen der Fürstengewalt» (Schiller).


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02. Oktober 2014
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