USA und Europa wollen mehr Kriege in Eurasien

Die strategischen Gefahren haben sich in der vergangenen Woche verschärft, sowohl in Bezug auf die westliche „Anti-Terror-Strategie“ als auch in Bezug auf die EU/NATO-Ostausweitung.
Am 10.9. beschrieb US-Präsident Obama in einer Fernsehansprache seine Pläne für einen Krieg zur Vernichtung des Islamischen Staats (IS), ohne von seiner Unterstützung der Rebellen in Syrien zum Sturz der Regierung Assad abzurücken. Dieser Versuch einer „Quadratur des Kreises“ wird bereits von einem breiten Spektrum von Militärexperten und Kongreßpolitikern jeder Couleur scharf kritisiert.

Zum neuen Kriegsplan gehören u.a. 500 Mio.$ zusätzliche Unterstützung für die syrischen Rebellen und die Einrichtung von Ausbildungslagern für sie in Saudi-Arabien - ausgerechnet dem Land, das die radikalen Dschihadisten von Anfang an finanziert hat.
Darüber hinaus verkündete Obama in grober Verletzung des Völkerrechts, er werde ohne Genehmigung der Regierung Assad Militäraktionen gegen IS in Syrien durchführen. Er beteuert auch, er wolle den Krieg ohne US-Bodentruppen gewinnen, räumt jedoch ein, das werde ein langer Kampf sein.
Das Weiße Haus schließt eine Zusammenarbeit mit dem Iran oder Syrien aus, obwohl damit praktisch garantiert ist, daß der britisch-saudische Plan für einen Dauerkrieg zwischen Sunniten und Schiiten aufgeht.
Während Obama für die Unterstützung sunnitischer arabischer Staaten für seinen neuen Feldzug warb, wurde er massiv angegriffen, weil er die 28 unter Verschluß gehaltenen Seiten aus dem Untersuchungsbericht des Kongresses über den 11.9.2001, die eine direkte saudische Komplizenschaft beweisen, nicht freigibt. Und in einem offenen Affront gegen die Angehörigen der Opfer entsandte er Außenminister Kerry ausgerechnet am Jahrestag des 11.9. nach Saudi-Arabien.

Während der Krieg im Nahen Osten eskalierte, verkündeten USA und EU in derselben Woche neue Sanktionen gegen Rußland, die das Land aus dem internationalen Finanzsystem aussperren sollen. Moskau jedoch vertieft die Wirtschafts- und Sicherheitskooperation mit anderen Ländern (siehe unten).
So wurden auf der Jahreskonferenz der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO) am 12.9. die Planungen für eine weitere internationale Entwicklungsbank vollendet. Die SCO, die ursprünglich für die Bekämpfung des Terrorismus in Eurasien gegründet wurde, gab auch bekannt, daß Indien und Pakistan 2015 Vollmitglieder werden und man auch den Iran aufnehmen wird, sobald die internationalen Sanktionen gegen ihn aufgehoben sind. Dann wird die Sicherheitskooperation ganz Zentralasien, Südasien, Rußland und China umfassen.

Die einzig rationale Option für die USA und Europa wäre es, uneingeschränkt mit der SCO dabei zusammenzuarbeiten, alle Gefahren durch radikale Dschihadisten einzudämmen und letztlich auszumerzen. Das müsste die Kooperation mit dem Iran und mit Syrien einschließen. Bisher jedoch will der Westen statt dessen endlose Kriege im Herzen.


Caroline Hartmann redigiert den wöchentlichen Newsletter des Schiller-Instituts e.V., aus dem dieser Text entnommen ist. Das Schiller-Institut mit Sitz in Laatzen bei Hannover wurde 1984 gegründet und wendet sich «gegen die trotzigen Anmassungen der Fürstengewalt» (Schiller).


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22. September 2014
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