Warum modernisieren die USA ihre taktischen Atomwaffen in Europa?

Seit der Umformulierung der Nukleardoktrin der USA „Nuclear Posture Review“ im Jahr 2002 orientieren die US-Regierungen sich an der Doktrin „Prompt Global Strike“, bei der die Grenze zwischen nuklearem und konventionellem Krieg vollkommen verwischt wird.

Gleichzeitig modernisieren die USA ihre taktischen Nuklearwaffen in Westeuropa und der Türkei und verwandeln sie dadurch faktisch in Kurzstreckenwaffen. Die neue Generation der B61- 12-Bomben wird noch zielgenauer sein und eine größere Reichweite haben, bei einer geringeren Sprengkraft.

Dahinter steckt die Annahme, man könne solche Waffen in einem begrenzten Krieg einsetzen, ohne eine strategische thermonukleare Konfrontation auszulösen. Diese Bomben sollen in 5 Staaten stationiert werden, Belgien, Deutschland, Niederlande, Italien und der Türkei, die dadurch faktisch zu atomar bewaffneten Staaten würden. Viele Experten verurteilen schon dies als Verstoß gegen den Atomsperrvertrag.

Der Vizekommandeur der russischen strategischen Raketentruppen, General Burbin, hat diesen gefährlichen Unfug am 1.3. in einem Lagebericht vor laufenden Kameras angesprochen. Er verurteilte die Doktrin Prompt Global Strike namentlich und warnte, Rußland sei in der Lage, solche Angriffe zu überleben und einen verheerenden Vergeltungsschlag zu führen. Tatsächlich wurden auch die russischen strategischen Waffen in den letzten Jahren umfassend modernisiert. Auch gegenüber China wurde in den USA eine neue Kriegsdoktrin („Air-Sea-Battle“) eingeführt, der zufolge die USA konventionelle Luftschläge bis tief ins Land hinein gegen Chinas strategische Truppen führen würden. Die Regierung Obama setzt auch Südkorea unter Druck, der Stationierung des THAAD-Raketenabwehrsystems zuzustimmen, unter dem Vorwand, Seoul vor der Bedrohung durch nordkoreanische Nuklearangriffe zu schützen. In Wirklichkeit sind diese Systeme gegen Nordkorea nutzlos, sondern sind Teil eines Raketenabwehrsystems gegen China.



Caroline Hartmann redigiert den wöchentlichen Newsletter des Schiller-Instituts e.V., aus dem dieser Text entnommen ist. Das Schiller-Institut mit Sitz in Laatzen bei Hannover wurde 1984 gegründet und wendet sich «gegen die trotzigen Anmassungen der Fürstengewalt» (Schiller).


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06. März 2015
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