Nicht alle Banker sind für eine digitale Zentralbankwährung

Eine digitale Zentralbankwährung ist weniger eine Hilfe für die Wirtschaft als vielmehr eine Waffe zur Errichtung einer Finanzdiktatur.

Digitale Zentralbankwährungen (CBDC) würden den Zentralbanken helfen, den beim Jackson-Hole-Treffen 2019 befürworteten „Regimewechsel im Finanzwesen“ umzusetzen, indem sie die Einführung negativer Zinssätze für Bargeld (zulasten der Verbraucher) und die Abschaffung der traditionellen Kreditvergabe durch Geschäftsbanken möglich machen.

Die Zentralbanken arbeiten auf Hochtouren an Studien über eine baldige Einführung digitaler Währungen – die EZB wird voraussichtlich schon im Januar eine Entscheidung treffen. Aber unter den Verantwortlichen herrscht keine Einigkeit, und einige äußern ausdrücklich Kritik.

Ein solcher Fall ist Burkhard Balz vom Bundesbank-Vorstand, der kürzlich auf die möglichen Gefahren eines digitalen Euro hinwies, insbesondere auf negative und unabsehbare Folgen für das Finanzsystem. Balz, ein Mitglied der CBDC-Taskforce der EZB, nahm am 20.10. am „China- Europa-Finanzgipfel“ teil https://www.bis.org/review/r201020g.pdf. In seiner Rede warnte er: Mit einem digitalen Euro, „je nach seinen Eigenschaften als Wertaufbewahrungsmittel, könnten die Einleger ihre Geschäftsbankeinlagen in Verbindlichkeiten der Zentralbank umwandeln. Dies könnte zu einer Einlagenumschichtung des Bankensektors führen und infolgedessen möglicherweise die Bereitstellung von Bankkrediten für die Wirtschaft dämpfen.“

Er fuhr fort: „Was wäre, wenn in Krisenzeiten Bankeinlagen rasch abgehoben und in einen digitalen Euro umgewandelt würden? Wir nennen dieses Szenario einen ,digitalen Bankenrun’. Die Folge könnte die Destabilisierung des gesamten Finanzsystems sein.“

Obwohl Balz es nicht erwähnte, könnte auch das Gegenteil eintreten, daß die Zentralbanken „mit einem Mausklick“ Einlagen entwerten. „Deshalb müßten wir möglicherweise die Einführung von Instrumenten erwägen, die sicherstellen, daß ein potentieller digitaler Euro hauptsächlich als Zahlungsmittel, aber nicht als Wertaufbewahrungsmittel verwendet wird. Eine zu prüfende Option wäre es, den Benutzern das Halten digitaler Euros jeweils nur bis zu einem bestimmten Schwellenwert zu erlauben.“ Die Bundesbank prüfe alternative Optionen zu einem CBDC.

Während die Bundesbank sich um die Stabilität des nationalen Bankensystems zu sorgen scheint, schlägt die Bundesregierung wie üblich einen anderen Kurs ein. Finanzminister Olaf Scholz erklärte am 27. November, man müsse sehr hart an einem digitalen Euro arbeiten, statt nur abzuwarten, und sollte jederzeit in der Lage sein, zu entscheiden, damit anzufangen.

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Caroline Hartmann redigiert den wöchentlichen Newsletter des Schiller-Instituts e.V., aus dem dieser Text entnommen ist. Das Schiller-Institut mit Sitz in Laatzen bei Hannover wurde 1984 gegründet und wendet sich «gegen die trotzigen Anmassungen der Fürstengewalt» (Schiller).

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