Reale Investitionen sind angeblich ein Übel

Merkwürdige Weltsicht beim IWF

Der Weltwährungsfonds (IWF) gilt weltweit als eine der unbeliebtesten Institutionen des „westlichen”, transatlantischen Finanz- und Währungssystems. Daß diese Einschätzung berechtigt ist, bekommen gerade dieser Tage die deutschen Familienunternehmen vorgeführt: Der IWF brandmarkt sie nämlich in einer Studie als die Hauptschuldigen für die ungleichmäßige Vermögensverteilung in Deutschland. Familienunternehmen, so die IWF-Studie, zögen übergroße Vorteile aus der geringen Steuerlast in Deutschland, die korrigiert werden müsse.
Im übrigen, so die Studie, hätten Familienunternehmen vor allem in China gute Geschäfte gemacht und damit für mehr Wachstum in Deutschland gesorgt als andere Unternehmensarten. Statt diese Gewinne aus China an die Arbeitnehmer der Betriebe auszuschütten und höhere Löhne zu zahlen, hätten Familienunternehmer das Geld im Betrieb für sich behalten. Darin liege, so der IWF, die eigentliche Dynamik der Vermögensungleichheit vor allem in Deutschland. (Mehr dazu im Handelsblatt)

Der Verband der Familienunternehmer reagierte prompt und wies in einem offenen Brief an den IWF diese Anschuldigungen als „geradezu fahrlässig interpretierte Zuschreibung” zurück. Nicht nur habe der IWF übersehen, daß gerade die Familienunternehmen maßgeblich zur Abfederung der Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise von 2008 beigetragen hätten, indem sie nämlich über ihre Gewinne die Eigenkapitalbasis ihrer Betriebe erhöht und somit weniger anfällig gemacht hätten. Der IWF greife auch fälschlicherweise das Reinvestieren von Gewinnen in den Betrieben – übrigens eine Grundlage für viele Patente in Zukunftstechnologien – an und verunglimpfe das als Wohlstand für wenige. Tatsächlich, so der Verband, kämen weltweit aber „fast die Hälfte aller familiengeführten Weltmarktführer, der sogenannten hidden champions... aus Deutschland”.
Anders als im angelsächsischen Bereich, der offenbar Modell für den IWF sei, werde im deutschen System, der sozialen Marktwirtschaft, nicht der Managertyp, sondern der Familienunternehmer gefördert und es werde durch eine niedrige Erbschaftssteuer die langfristige Fortführung des Unternehmens in künftigen Generationen der Familie gestärkt. Im angelsächsischen Modell sei es genau umgekehrt, dort sei aber die Eigentumssteuer niedriger als in Deutschland
- was kurzfristigen Gewinnen diene und langfristigen Investitionen schade.

Die chinesische Wirtschaftsdynamik, von der deutsche Familienunternehmen (viele davon sind ja Mittelstandsfirmen, die 60 Prozent aller Arbeitsplätze sichern) profitieren, ist den Autoren der Studie des IWF ein rotes Tuch. Und vor allem mißfällt ihnen, daß zig Milliarden von diesen Unternehmen in reale Produktion reinvestiert werden. Das mißfällt ihnen, wie es den Privatbanken und Fonds mißfällt, daß die Sparkassen und Genossenschaftsbanken in Deutschland Kredite an Unternehmen des Mittelstands ausleihen – das sind Geldmengen, die somit den zunehmend spekulativen Finanzmarktgeschäften entzogen werden. Es sind aber Geldmengen, mit denen in neue Technologie und Arbeitsplätze investiert wird, und das schafft realen Wohlstand für alle. Die Finanzmarktabenteuer von Banken und Fonds dagegen werden, wie man seit 2008 überdeutlich sehen konnte, zu einer zunehmenden Belastung für alle – für die Steuerzahler und Bürger nämlich, die wieder einmal für Bankenrettung herhalten müssen. Daß dies kein Thema für die IWF-Studie war, ist für die Deutschen – und nicht nur sie – besonders relevant, zumal IWF-Direktorin Christine Lagarde´ die neue  Präsidentin der EZB werden soll. Und daß diese Nominierung mit der Stimme der Bundesregierung erfolgte, ist nur ein weiterer Beleg dafür, daß die Belange des Mittelstandes und der Familienunternehmen auf Bundesebene keine Rolle spielen.

 

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Caroline Hartmann redigiert den wöchentlichen Newsletter des Schiller-Instituts e.V., aus dem dieser Text entnommen ist. Das Schiller-Institut mit Sitz in Laatzen bei Hannover wurde 1984 gegründet und wendet sich «gegen die trotzigen Anmassungen der Fürstengewalt» (Schiller).

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18. August 2019
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