Rohstoffpreise und Inflation: Schuld ist BlackRock, nicht China

Die am 11.6. veröffentlichten neuen Zahlen des US-Arbeitsministeriums zeigen die höchste Inflationsrate seit 2008. Die weltweiten Lebensmittelpreise stiegen im Jahresvergleich um fast 40 Prozent. Der nächste Winter könnte für viele Menschen hart werden.

Die weltweiten Lebensmittelpreise sind im Jahresvergleich um 40 Prozent gestiegen. Der Markt zieht spekulatives Gewld an. (Foto: pexels / pixabay)

Der Verbraucherpreisindex stieg im Mai aufs Jahr gerechnet um 5%, gegenüber 4,2 % im April, was einen kontinuierlichen Anstieg der Rohstoff- und Lebensmittelpreise widerspiegelt, der durch Finanzspekulation angetrieben wird. Weltweit stiegen die Lebensmittelpreise im Mai den 12. Monat in Folge, im Jahresvergleich um fast 40%, wie aus dem Lebensmittelpreisindex der UNO hervorgeht. Der letzte Monat war der stärkste monatliche Anstieg der durchschnittlichen Lebensmittelpreise seit über einem Jahrzehnt, allein von April bis Mai fast 5%.

Die Zentralbanken versichern uns, man müsse sich keine Sorgen machen, das sei nur vorübergehend, und weder die Federal Reserve noch die Europäische Zentralbank (EZB) änderten ihre Geldpolitik. Allerdings musste die EZB zugeben, dass drei Ratsmitglieder dagegen stimmten. Die Zentralbanken behaupten, die Inflation sei vorübergehend, weil sie durch eine Lücke zwischen Nachfrage und Angebot verursacht sei, vor allem wegen des Aufschwungs in China, der die Rohstoffe auf dem Weltmarkt vereinnahme.

Die Rohstoffpreise werden durch Termingeschäfte bestimmt, und die werden zu 90% von Spekulanten gehandelt.

Die Realität ist anders: Die Rallye an den Rohstoffmärkten, die seit über einem Jahr anhält und nicht aufhören wird, entsteht durch die enorme Liquidität, die eben diese Zentralbanken in das System pumpen. Die Rohstoffpreise werden durch Termingeschäfte bestimmt, und die werden zu 90% von Spekulanten gehandelt.

«Die Zuflüsse von heissem Geld in Rohstoff-Fonds erreichen beispiellose Dimensionen», berichtete Bloomberg am 10.6. «Fonds, die bestimmten Sektoren wie Energie, Industriewerten und Edelmetallen folgen, erleben schon seit langem solche heissen Geldströme. Jetzt steigt in diesem Jahr, da sich die Weltwirtschaft wieder erholt, die Nachfrage nach breit angelegten Rohstoff-Fonds in einem beispiellosen Ausmass, Zuflüsse in Höhe von 7,3 Mrd.$ erhöhen das Gesamtvermögen auf 17 Mrd.$.»

Der «Rohstoffboom» erlaubt es Spekulanten, auf Kosten der Menschen schnell reich zu werden. Aber dies lässt sich verhindern.

Ein Beispiel ist BlackRock: «Über sechseinhalb Jahre hinweg kam ein Rohstofffonds von BlackRock Inc. nie auch nur in die Nähe von 1 Mrd.$ Vermögenswerten. Doch innerhalb von zwei Tagen Ende Mai hat sich der ETF auf 2 Mrd.$ mehr als verdoppelt – und er hat im Juni bereits weitere 120 Mio.$ zugelegt.» Der «Rohstoffboom», wie Bloomberg es nennt, erlaubt es Spekulanten, auf Kosten der Menschen schnell reich zu werden. Aber dies lässt sich verhindern.

Der Beweis: Als die chinesischen Behörden kürzlich ankündigten, den Markt genau zu beobachten, um die Spekulation einzudämmen, stürzten die Rohstoffpreise an den chinesischen Börsen schon am nächsten Tag ab. Die britischen und US-Behörden könnten genauso gegen die Märkte in Chicago und London vorgehen, aber sie wissen, dass dann die Blase platzt und das Finanzsystem zusammenbricht. So retten die Zentralbanken und Regierungen die Milliardäre von Davos, während sie ihrer eigenen Bevölkerung einen sehr harten Winter bereiten.

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Caroline Hartmann redigiert den wöchentlichen Newsletter des Schiller-Instituts e.V., aus dem dieser Text entnommen ist. Das Schiller-Institut mit Sitz in Laatzen bei Hannover wurde 1984 gegründet und wendet sich «gegen die trotzigen Anmassungen der Fürstengewalt» (Schiller). 

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