Trump wendet sich offen gegen den militärisch-industriellen Komplex

Trump beruft sich für den Rückzug der USA aus Syrien explizit auf eine berühmte Warnung von Eisenhower vor der Macht des militärisch-industriellen Komplexes. Erstaunlich.

Foto: Jose Moreno / Unsplash

Präsident Trumps Entscheidung, US-Truppen aus Nordostsyrien zurückzuziehen, die er am 6.10. bekannt gab, stieß in Europa, den USA und weltweit auf empörten Widerstand geopolitischer Kräfte. Sie reagierten mit einer Flut von Desinformation und Lügen und in den USA mit einem noch intensiveren Vorstoß zu Trumps Absetzung.

Da praktisch keine großen Medien in Europa über den tatsächlichen Inhalt von Trumps Aussagen und Warnungen berichteten, möchten wir eine Zusammenfassung geben, damit unsere Leser sich ein eigenes Urteil bilden können. Auf Twitter schrieb er am 7.10., es wäre besser gewesen, wenn die US- Streitkräfte nie in Syrien gewesen wären. Später fügte er hinzu: „Ich will dort nicht die nächsten 40 Jahre bleiben. Das bringt nichts... Ich habe im Wahlkampf versprochen, daß ich unsere Soldaten nach Hause bringen werde, und zwar so schnell wie möglich.“

Zur Einlösung dieses Versprechens gehöre auch, US- Soldaten nicht in noch mehr Konflikte ohne Aussicht auf ein Ende zu schicken. „Wir mischen uns in Kriege ein, und wir mischen uns in Stammeskriege und Revolutionen und all diese Dinge ein - die nicht die Art und Weise sind, wie man Dinge so löst, wie wir sie gerne lösen würden. Es funktioniert so einfach nicht... Und es ist Zeit, heimzukehren.“

„Als ich die politische Bühne betrat, habe ich vom ersten Tag an deutlich gemacht, daß ich diese endlosen, sinnlosen Kriege nicht führen wollte."

In einer Erklärung, die zwei Tage später veröffentlicht wurde, betonte er: „Als ich die politische Bühne betrat, habe ich vom ersten Tag an deutlich gemacht, daß ich diese endlosen, sinnlosen Kriege nicht führen wollte - besonders solche, die den Vereinigten Staaten nichts nützen.“ Als Kandidat hatte Trump auch die Zusammenarbeit mit dem russischen Präsidenten gegen IS und Al-Qaida zu einer Priorität gemacht. Eine ebensolche Zusammenarbeit mit Putin und Rußland sollte mit dem „Russiagate“ verhindert werden.

Zur Rechtfertigung seiner Entscheidung erinnerte Trump in einer Pressekonferenz am 9.10. an die Warnung von Präsident Dwight Eisenhower aus dem Jahr 1960 vor der Macht des Militärisch-Industriellen Komplex“, der die USA in Konflikte stürze. Heute
„profitieren viele in Washington sehr vom Militärisch- Industriellen Komplex“. Eisenhower „hatte es vor vielen Jahren richtig eingeschätzt. Er hat enorme Macht. Sie kämpfen gern. Sie verdienen viel Geld, wenn sie kämpfen.“

Trump fügte die persönliche Bemerkung hinzu: „Das bei weitem Schwerste, was ich tun muß - viel schwerer als die Hexenjagd -, ist es, Briefe an Eltern gefallener Soldaten zu unterschreiben.“ Und er gab einige anschauliche Beispiele solcher sinnlos vergeudeten Menschenleben. Kurz vor seiner Pressekonferenz am 9.10. hatte er getwittert: „Die Vereinigten Staaten haben ACHT BILLIONEN DOLLAR für Kämpfe und Polizeieinsätze im Nahen Osten ausgegeben. Tausende unserer großartigen Soldaten sind gefallen oder wurden schwer verwundet. Millionen Menschen sind auf der anderen Seite gestorben. UNS IM NAHEN OSTEN EINZUMISCHEN, IST DIE SCHLECHTESTE ENTSCHEIDUNG, DIE IN DER GESCHICHTE UNSERES LANDES GEMACHT WURDE! Wir sind unter einer falschen und jetzt widerlegten Prämisse, MASSENVERNICHTUNGSWAFFEN, in den Krieg gezogen. Es gab  KEINE! Jetzt bringen wir langsam und vorsichtig unsere großartigen Soldaten und das Militär nach Hause. Wir konzentrieren uns auf das GROSSE BILD!“

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Caroline Hartmann redigiert den wöchentlichen Newsletter des Schiller-Instituts e.V., aus dem dieser Text entnommen ist. Das Schiller-Institut mit Sitz in Laatzen bei Hannover wurde 1984 gegründet und wendet sich «gegen die trotzigen Anmassungen der Fürstengewalt» (Schiller).

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