Was dir Wandern bringen kann

Auf die Berge, fertig, los – während des Lockdowns und darüber hinaus zog es Herrn und Frau Schweizer auf die Wanderwege. Der Sport ist allerdings mehr als nur eine Alternative, wenn das Fitnessstudio geschlossen bleibt. Die Forschung ist sich einig: Wandern hat positive Auswirkungen auf Körper und Psyche.

Unsere Vorfahren könnten in der Urzeit bis zu 20 Kilometer pro Tag zu Fuss zurückgelegt haben, um Nahrung und Unterschlupf zu finden. Heutzutage verbringen die meisten Menschen in Industrieländern die meiste Zeit sitzend. Das ist ein Problem, denn Bewegungsmangel kann zu Leiden wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ 2 Diabetes oder einigen Krebsarten führen – und das unabhängig vom Körpergewicht. Weltweit werden neun Prozent der frühzeitigen Todesfälle mit zu wenig Bewegung in Verbindung gebracht. Das sind etwa 5,3 Millionen Personen im Jahr.

Wandern verbrennt mehr Kalorien als Joggen.

Das Wandern ist ein einfacher und effektiver Weg, solchen Krankheiten vorzubeugen. Die meisten Studien zu dem Thema drehen sich allerdings um das Laufen im Generellen. Studien, welche explizit die positiven Effekte vom Wandern untersuchen, kommen nicht immer zu gleichen Ergebnissen. Zum Beispiel könnte Wandern das Risiko für Herzkrankheiten senken – allerdings konnte das nicht in allen Studien belegt werden.

Klar ist allerdings: Als eine Variante des Laufens in der Natur hat Wandern zahlreiche positive Effekte. Eine Übersichtsstudie ergab zum Beispiel, dass Laufen den Blutdruck sowie den Cholesterin-Spiegel senkt. Im Alter hilft Laufen zudem gegen Osteoporose, also Knochenschwund. Auch das Risiko für Alzheimer sinkt.

Und wer denkt, dass Wandern weniger Energie verbraucht als intensivere Sportarten, irrt: Ein Wanderer verbrennt unter Umständen mehr Kalorien, als ein Jogger. In einer australischen Studie berechneten Forschende, wie viele Kalorien 371 Jogger, Wanderer und Spaziergänger auf ihrer Route durch einen Nationalpark verbrannten. Die Wanderer brauchten am meisten Kalorien, da sie länger unterwegs waren und schwierigere Routen wählten, als die anderen.

Wandern ist aber nicht nur wegen der Bewegung gesund, sondern auch weil man sich dabei in der Natur aufhält. Vor allem in Japan wird deshalb das «Waldbaden» propagiert. Spaziergänge im Wald wirken vorteilhaft auf den Herz-Kreislauf aus und stärken das Immunsystem. Auch gegen Stress soll das Laufen in der Natur helfen.

Wanderstöcke können gegen Knieschmerzen helfen.

Wer bereits einmal länger bergab gewandert ist, weiss: Das kann ganz schön in die Knie gehen. Der Druck auf die Gelenke beim abwärts gehen ist ähnlich gross, wie wenn man geradeaus rennt. Wanderstöcke können eine Lösung sein. Sie federn einen Teil des Gewichts auf die Gelenke ab, auch wenn man schweres Gepäck dabeihat. Ausserdem sorgen die Stöcke für mehr Stabilität und so für mehr Sicherheit beim Wandern, wie eine Studie ergab.

Allerdings sind Gelenkverletzungen nicht das grösste Risiko beim Wandern. Gerade bei älteren Personen sind Stürze häufig. Eine Studie über die Gründe für Stürze bei Wanderern im Tirol ergab, dass 70 Prozent aller Verunfallten an einer Sehschwäche litten. Dies könnte zwar daran liegen, dass ältere Personen sowohl eher beim Wandern stürzen als auch eher an Sehschwächen leiden. Klar ist aber: Gutes Sehen ist Voraussetzung für eine gelungene Wanderung. Nur schon wegen der Aussicht.

Der Artikel ist auf higgs erschienen

13. August 2020
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