Wo Ausländer in der Schweiz am häufigsten wohnen

Leben Ausländer in der Schweiz segregiert? Und wo ist die Durchmischung mit der lokalen Bevölkerung am grössten? Zwei Forscher haben das untersucht.

Migranten und Migrantinnen verschlägt es in der Schweiz vor allem in städtische Gebiete. / pixabay

Wo und weshalb Migrantinnen und Migranten in Vierteln eher unter sich bleiben, wo in der Schweiz es also zu Segregation kommt, ist noch wenig erforscht. Zwei Forscher der Universität Genf haben sich die Segregation nun genauer angeschaut und die Ergebnisse auf der Plattform Social Change in Switzerland veröffentlicht.

Sie analysierten mittels statistischer Modelle, wo in der Schweiz Migrantinnen und Migranten aus Italien, Deutschland, Frankreich, Portugal, der Türkei und Nordamerika überdurchschnittlich häufig wohnen. Die Bevölkerungsgruppen sind unter den am stärksten vertretenen in der Schweiz, es sind aber nicht die Top 6. Segregation wurde ermittelt, indem Nachbarschaften von Individuen verglichen wurden: Wie viele Personen aus der gleichen Bevölkerungsgruppen gehören zu den 100´000 am nächsten wohnenden Nachbarn? Dieser Anteil wurde dann mit dem jeweiligen Anteil der Bevölkerungsgruppe im Kanton oder in der Schweiz insgesamt verglichen. So ergab sich mit einer sehr hohen Genauigkeit, wo Bevölkerungsgruppen über- oder unterrepräsentiert sind.

Die Resultate zeigen: Migrantinnen und Migranten leben in der Schweiz vor allem in städtischen Gebieten und am häufigsten in Wirtschafts- und Handelszentren wie Zürich, Basel oder Genf. Weitere Konzentrationsphänomene treten in den Alpenregionen von Wallis und Graubünden auf, die sich sowohl durch den Wohnsitz wohlhabender Ausländer als auch durch die Präsenz ausländischer Arbeitskräfte im Tourismussektor erklären lassen. Die verschiedenen Ausländergruppen verteilen sich innerhalb der Schweiz verschieden: Franzosen bleiben häufig im Welschland, auch Portugiesen bevorzugen die lateinische Schweiz. Nordamerikaner wohnen hingegen überdurchschnittlich häufig im deutschschweizer Mittelland. Deutsche und Türken sind gleichmässiger über die Schweiz verteilt, bevorzugen jedoch die Deutschschweiz. Noch gleichmässiger vertreten sind Personen aus Italien, wobei es auch hier Spitzenorte wie Zürich und das Tessin gibt.

Doch wie sieht es mit der Segregation innerhalb der Kantone aus? Auch das unterscheidet sich je nach Bevölkerungsgruppe: Deutsche und italienische Staatsangehörige sind in den meisten Kantonen kaum segregiert. Im Gegenzug konzentrieren sich portugiesische und türkische Staatsangehörige häufiger in gewissen Kantonsregionen. «Diese Bevölkerungsgruppen zeichnen sich im Durchschnitt durch ein eher niedriges Bildungsniveau aus», schreiben die Autoren. Diese starke Segregation könne durch den schwierigen Zugang zum Wohnungsmarkt in bestimmten Stadtvierteln oder wohlhabenden Gemeinden und durch eine Konzentration in Vierteln mit relativ preisgünstigem Wohnraum erklärt werden. Es handelt sich demzufolge um eine Segregation, die mit der sozialen Schicht zusammenhänge. In Bezug auf die Migrantinnen und Migranten aus der Türkei könne man sich zudem fragen, ob es Netzwerkeffekte gebe, die möglicherweise neue Mitglieder dazu bringen, sich in der unmittelbaren Umgebung der Diaspora anzusiedeln.

Dasselbe Muster zeigt sich bei den durchschnittlich sehr gut ausgebildeten Bevölkerungsgruppen der Nordamerikaner. Auch hier gibt es eine hohe Segregation: «Die in der Schweiz lebenden Nordamerikanerinnen und Nordamerikaner bilden eine hoch qualifizierte Bevölkerungsgruppe mit einem relativ hohen Durchschnittseinkommen und sind häufig in den Wirtschaftszentren präsent, in denen sich die Hauptsitze multinationaler Unternehmen befinden, zum Beispiel in der Genferseeregion, in Zürich oder in Basel-Stadt», schreiben die Forscher. Diese Gruppe habe Zugang zu teureren Wohnungen in unmittelbarer Nähe ihrer wirtschaftlichen Tätigkeit in den dynamischsten städtischen Zentren.

Weshalb sich Migrantengruppen segregieren, hat also verschiedenste Gründe, die noch weiter erforscht werden müssen. Was diese Studie aber zeigt: Migrantinnen und Migranten pauschal in einen Topf zu werfen, führt zu falschen Erkenntnissen.