Zentralbanken: mit „grünen Finanzen“ unbezahlbare Schulden refinanzieren

Die Anzeichen für die schwerste Finanzkrise aller Zeiten mehren sich. Aber das Verhalten der Zentralbanken zeichnet sich durch eine gefährliche Kombination aus Realitätsverweigerung und Flucht nach vorne aus.

(Foto: Etienne Martin / Unsplash)

Realitätsverweigerung: Der stellv. Vorsitzende des Gouverneursrats der Federal Reserve, Randal Quarles, behauptet, das US-Bankensystem sei noch nie so gesund gewesen. In einer schriftlichen Erklärung für den Finanzdienstleistungs-Ausschuß des Repräsentantenhauses vor seinem Auftritt bei einer Anhörung über „Aufsicht überlegter Bankaufseher“ am 4.12., schrieb Quarles:

„Der jüngste Aufsichts- und Regulierungsbericht des Rates, den wir letzte Woche veröffentlicht haben, bestätigt den aktuellen Zustand des Bankensystems. Er zeichnet einen stabilen, gesunden und widerstandsfähigen Bankensektor mit einer soliden Kapital- und Liquiditätsposition... Er beschreibt eine stetige Verbesserung der Sicherheit und Solidität, mit einem allmählichen Rückgang der ausstehenden Aufsichtsmaßnahmen bei den größten wie kleinsten Unternehmen.“

Als Antwort fragten Pam und Russ Martens in ihrem Blog Wall Street on Parade: „Wie gesund kann das Bankensystem sein, wenn es auf Dauer jede Woche Hunderte Milliarden Dollar an  Krediten der Federal Reserve benötigt?“ Sie beziehen sich auf den Interbankenmarkt, der seit dem 17.9. faktisch nicht mehr existiert und an dessen Stelle direkte Refinanzierung der Federal Reserve trat, die inzwischen kumuliert Billionenhöhe erreicht hat. Mit diesen Liquiditätsspritzen werden Schulden refinanziert und die Blase am Aktienmarkt aufgebläht, während die globalen Handels- und Produktionszahlen  zurückgehen. Aber wie lange kann das so weitergehen?

- Flucht nach vorne: Die Zentralbanken wissen sehr wohl, daß die Blase platzt, aber statt die Realität zu akzeptieren und die Lösung – die Glass- Steagall Banktrennung – umzusetzen, treten sie die Flucht nach vorne an, z.B. in „Grüne Finanzen“, um die Finanzblase zu erhalten.
Man betrachte dazu nur das neueste Forschungsbulletin der EZB, Finance and Decarbonization: Why Equity Markets Do It Better

Die Autoren Ralph de Haas und Alexander Popov (von der EBWE bzw. der EZB) behaupten darin, Geld, das in die Börse fließt, helfe im Kampf gegen den Klimawandel! „Es stellt sich heraus, daß Aktienmärkte bei der Dekarbonisierung der Wirtschaft den Banken überlegen sind“, lautet ihr Fazit. „Wenn ein Land seine Wirtschaft dekarbonisieren will, sollte es nicht nur grüne Finanzinitiativen wie grüne Anleihen fördern, sondern auch seine Aktienmärkte ausweiten.“ Ihr Argument basiert auf einer vergleichenden Studie über Volkswirtschaften mit unterschiedlicher Finanzstruktur. „Unsere Berechnungen deuten darauf hin, daß die Erhöhung des Anteils der Eigenkapitalfinanzierung um einen Prozentpunkt bei konstanter Größe des Finanzsystems die CO2-Emissionen pro Kopf um 0,024 Tonnen reduziert.“

Daher empfehlen sie, die Aktienblase durch staatliche Subventionen (Steuergelder) massiv aufzublähen, um die Wirtschaft umweltfreundlicher zu machen. Mit anderen Worten: weniger oder keine Bankkredite und dafür mehr Geld für die Aktienbörse!
Gabor Steingart, ehemaliger Herausgeber und Gesellschafter des Handesblatts, schrieb in seinem täglichen Newsletter: „Die Europäische Zentralbank in Frankfurt, die Europäische Investitionsbank in Luxemburg und die EU-Kommission in Brüssel verfolgen gemeinsam einen großen Plan, über dessen Risiken und Nebenwirkungen kein nationales Parlament je unterrichtet wurde. Europa will das Weltklima retten – und zwar mit der Notenpresse. Whatever it takes.“

 

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Caroline Hartmann redigiert den wöchentlichen Newsletter des Schiller-Instituts e.V., aus dem dieser Text entnommen ist. Das Schiller-Institut mit Sitz in Laatzen bei Hannover wurde 1984 gegründet und wendet sich «gegen die trotzigen Anmassungen der Fürstengewalt» (Schiller).

Der Newsletter kostet 250 € im Jahr. Er wird vom E.I.R.-Verlag herausgegeben, zu bestellen bei: Caroline Hartmann, c.hartmann@eirna.com

14. Dezember 2019
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