Erdöl: Schock ohne Schrecken

Ein Barrel Öl kostet so viel wie seit bald dreissig Jahren nicht mehr. Wird der Preis weiter steigen? Was würde das für Folgen haben? Und wer profitiert am Schluss?

Mit ihm zu reden, ist wie ein Sprint durch Millionen von Jahren. Er eilt vom Silur in die Kreide, von der Sahara in die Nordsee. Der Mann war überall und scheint alles zu wissen übers Erdöl. Walter Ziegler, in Winterthur geboren und ein Leben lang auf der Suche nach Öl. Heute lebt er mit seiner Frau in Lau­sanne. Er ist über achtzig, geht am Stock und wirkt ungemein wach.


Als man in den sechziger und siebziger Jahren die grossen Ölfelder in der Nordsee vor Britannien und Norwegen fand, war Walter Ziegler als Regional­geologe dabei. Er war Ende der sechziger Jahre in den Ländern um Nigeria, als der Biafrakrieg tobte. Fast dreissig Jahre arbeitete er für die US-amerikanische Esso Exploration Incorporated, suchte in ihrem Auftrag nach Öl, später tat er dasselbe für die belgische Petrofina.


Etwas vom Ersten, was Ziegler sagt: «In den letzten zehn, fünfzehn Jahren hat man nicht mehr genügend Öl gefunden.» Die allermeisten Ölbecken und -felder, die neu erschlossen würden, kenne man schon seit Jahrzehnten. Man habe sie einfach noch nicht ausbeuten können - weil die Tiefwassertechnologie fehlte, wegen politischer Probleme oder weil es sich ökonomisch nicht lohnte. Nach fünfzig Jahren Erfahrung im Feld kommt er zu einem nüchternen Schluss: «Peak Oil ist wohl erreicht.» Peak Oil, das weltweite Reservemaximum, tritt dann ein, wenn weniger neues Öl gefunden als aus dem Boden geholt und verbraucht wird; das Fördermaximum folgt unweigerlich, weil sich die alten Felder erschöpfen.

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05. April 2008
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