Ich bin Schriftsteller, bitte nicht abschiessen

Antoine de Saint-Exupéry nahm sich nicht das Leben, er wurde fliegend in seiner Kiste von einem deutschen Kriegsflugzeug abgeschossen. Wrackteile im Meer und die Aussage eines ehemaligen deutschen Piloten im Greisenalter führen zu diesem Schluss. Der alte Mann spricht mit betroffener Miene vor der Kamera über seinen damaligen Einsatz. Mit gesenktem Blick erklärt er, dass er nicht geschossen hätte, wenn er gewusst hätte, wer in der anderen Maschine saß. Er habe diesen Autor gern gelesen und sehr geschätzt. Schätzte dieser Mann die Arbeit eines Spenglers, Architekten, Druckers oder Gärtners nicht? Soll ein Schriftsteller längere Lebensberechtigung im Kriegsfeuer haben als ein Butler oder ein Tierarzt? Hätten alle Schriftsteller im Kriegseinsatz ihre Maschinen mit Namen und Beruf beschriften sollen? «Ich bin der bekannte Schriftsteller Soundso und bin mit dem aktuellen Roman noch nicht fertig. Schießen Sie mich nicht ab und freuen Sie sich auf mein nächstes Buch.»
22. Januar 2017
von:

Über

Urs Heinz Aerni

Submitted by reto on Do, 09/07/2017 - 11:10

Urs Heinz Aerni (*1962) besuchte in Bern die Kunstgewerbeschule, in Olten die Buchhandelsschule, machte u. a. in Zürich die Journalismusausbildung und absolvierte die Ausbildung bei BirdLife zum Feldornithologen. Er beschäftigt sich mit Tendenzen in der Gesellschaft und mit der Natur. Er pendelt zwischen Zürich, Berlin, Innsbruck und ist oft in den Bergen. Nebst Schreiben vertritt er den Zeitpunkt als Botschafter.  www.ursheinzaerni.com