Problematische Bio-Treibstoffe als Energiekiller


Zwei unterschiedliche Studien stellen Pflanzensprit schlechtes Zeugnis aus

US-Forscher haben in einer Modellstudie errechnet, dass bei einer Umstellung der Treibstoffe aller Fahrzeuge auf einen 85-Prozent-Ethanol/15-Prozent-Benzin-Mix die Ozonwerte in manchen Teilen der USA extrem zunehmen würden. Die Folge wären dramatisch, denn es käme zu einer Zunahme der Todesfälle an Atemwegserkrankungen, berichtet BBC-Online. Experten der Schweizer Energiestiftung SES kommen zum Schluss, dass die Pflanzentreibstoffe keineswegs CO2-neutral sind, denn ein Großteil der Energie, die im Biokraftstoff erhalten ist, muss im Produktionsprozess investiert werden.

Ethanol sei zwar in der Lage die Werte zweier kanzerogener Stoffe zu verringern, allerdings würde sich das im Grunde wieder aufheben, da andere Substanzen, die nicht weniger schädlich sind, zunehmen. Im Computermodell, das von Mark Jacobson von der Stanford University in Kalifornien erstellt wurde, würden die Ozonwerte unter Einbeziehung der Temperaturen, der Sonneneinstrahlung, der Wolkenbildung und der Niederschläge vor allem in Los Angeles deutlich ansteigen. "Im Grunde genommen sind die Schäden dieses E85-Mix genau gleich wie bei herkömmlichen fossilen Brennstoffen", meint der Forscher. Die Frage sei auch, warum solche Treibstoffe weiter gefördert werden sollen, wenn ihr Nutzen nicht wesentlich größer sei, stellt der Klimaforscher fest. "Würde man die Fahrzeug-Flotte hingegen auf batteriebetriebene Elektromotoren umstellen und den Strom dafür aus Windenergie nehmen, könnten 10.000 Menschenleben gerettet und 98 Prozent der CO2-Emissionen aus Fahrzeugen verhindert werden", rechnet der Forscher vor.

Gemäss Bernhard Piller, Projektleiter bei der SES verdienten Treibstoffe aus Pflanzen den Begriff "Biotreibstoffe" ohnehin nicht. "Rechnet man die Energie- und CO2-Bilanz dieser Treibstoffe hoch, zeigt sich, dass diese sehr schlecht ist", so Piller. Von "Bio" könne hier keine Rede sein. "Der OECD-Ökonom Martin von Lampe gibt zu bedenken, dass bei europäischem Biosprit etwa 60 bis 80 Prozent der Energie, die nachher im Kraftstoff enthalten ist, in diesem Produktionsprozess investiert werden muss." Negativ schlage sich hier vor allem der massive Einsatz von energieintensiven Pflanzenschutz- und Düngemitteln zu Buche. Einzige rühmliche Ausnahme sei Biogas aus Kompost, das gemäss Piller die beste Energiebilanz aufweise.

«Katastrophal schlecht» schneiden vor allem importierte pflanzliche Treibstoffe aus Übersee ab. Am schlimmsten ist Palmöl aus Indonesien. Für den Anbau der Ölpalmen müsse der Wald gerodet und 20 Meter dicke Torfschichten, die gewaltige Mengen an CO2 speichern, erstmals trockengelegt werden. "In der Folge entweicht das CO2 aus dem Boden und belastet die Umwelt zehn Mal stärker mit CO2 als fossile Brennstoffe." Piller gibt auch zu bedenken, dass der zunehmende Anbau von Treibstoffpflanzen die Lebensmittelsicherheit gefährde. Allein in den USA wurden 2006 knapp 20 Prozent der Maisernte destilliert, in diesem Jahr werden es sogar 31 Prozent sein.

Die schweizerische Energie-Stiftung, die sich seit 30 Jahren für eine nachhaltige Energiepolitik engagiert, kommt daher zum Schluss, dass alternative Treibstoffe nur dann sinnvoll sind, wenn sie hocheffizient eingesetzt werden. "Es darf nicht sein, dass wegen des Spritdurstes der reichen Staaten, das Recht auf ausreichende Ernährung gefährdet wird", so der Experte abschließend. Weder in der Schweiz noch in der EU gebe es harte, die Ernährungssicherheit berücksichtigende Standards für den Import von so genanntem "Öko-Treibstoff".


Quelle: pressetext.austria

08. Mai 2007
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