Sogar der IWF sieht einen Crash kommen

40 Prozent aller Unternehmensschulden an der Wall Street und der Londoner City könnten bei einer Rezession ausfallen. Davor warnt der «Global Financial Stability Report» des Internationalen Währungsfonds (IWF) vom 1. Oktober.

Bei einem Wirtschaftsrückgang von 2-3% in acht führenden Ländern (USA, China, Japan, Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien) würden mehr als ein Drittel der Unternehmensschulden in diesen Staaten in Wellen ausfallen, prognostiziert der Bericht. Das wird die Banken zum Einsturz bringen. Es würde also nicht eine Finanzpanik eine schwere Wirtschaftsrezession auslösen, sondern schon eine geringe Wirtschaftsrezession würde eine Finanzpanik auslösen. Die Industrie und das verarbeitende Gewerbe vieler großer Nationen befinden sich bereits in einer Rezession, und der Dienstleistungssektor, der sich bislang noch hält, kann jederzeit folgen.

Andere Aspekte des IWF-Berichts weisen auf das Ausmaß der bevorstehenden Finanzkrise hin. Die IWF-Autoren bringen dies direkt mit einer industriellen Rezession und sinkenden Kapitalinvestitionen in Verbindung.
Der Fonds warnt: „Rentenfonds mit einem Vermögen von rund 1,7 Billionen US-Dollar könnten Schwierigkeiten haben, Anleger auszuzahlen.“ Genau das war es, was im Spätsommer 2008 bei Investmentfonds, ihren Anlegern, Zentralbanken und Regierungen Panik auslöste. In der Financial Times hieß es dazu, dies „könnte möglicherweise das globale Finanzsystem destabilisieren“, was noch eine Untertreibung ist.

Vereinfacht gesagt warnt der IWF: Da inzwischen bereits ca. 15 Bio. $ an Anleihen weltweit Null- und Negativrenditen haben, müssen große institutionelle Anleger mit ihren Anleihebeständen handeln und spekulieren, um noch Einnahmen zu erzielen – und die Anleihefonds, in die sie investieren, verdienen mit Anleihen kein Geld, mit denen sie diese Investoren auszahlen könnten, wenn diese es wünschen.

Daher verlegen sich die Fonds bei der „Jagd nach Rendite“ auf ungedeckte Spekulationsgeschäfte und Vermögenswerte weit geringerer Qualität, und es mangelt ihnen an liquiden Mitteln. Anleihen gehören weltweit zum Kernbestand von Finanzinstituten.

Der IWF untersuchte eine Stichprobe von 1760 Rentenfonds (rund 60% der weltweiten festverzinslichen Vermögenswerte). Es stellte sich heraus, daß ein Sechstel davon (die Hälfte aller Fonds mit hohen Renditen, die in minderwertige Unternehmensanleihen investieren) bereits die bestehenden Auszahlungsforderungen nicht erfüllen kann. „Die Gesamtlücke im festverzinslichen Sektor wird auf 160 Mrd. Dollar geschätzt“, wenn alle Fonds gleichzeitig Liquiditätsbedarf hätten.
Der „Extremfall“ des IWF ist leicht vorhersehbar: Notverkäufe von „guten“ Vermögenswerten, um Forderungen auf illiquide und schlechte Vermögenswerte einzulösen, und eine Wiederholung des Debakels der Investmentfonds von 2008. Der „Repo“-Markt (Übernachtkredite für Banken) befindet sich möglicherweise schon in einem frühen Stadium davon.

Derweil versucht die Federal Reserve, eine „Liquiditätskrise“ im Bankensystem aufzuhalten, indem sie seit vergangenem Monat täglich kurzfristige Kredite von 50-100 Mrd.$ in die großen Banken pumpt, aber die Wall Street fordert immer mehr. Dies läßt großes Unheil ahnen, und deshalb ist es dringend notwendig, daß die Banken ihre Spekulationssparten abtrennen, damit das reguläre Kreditgeschäft geschützt werden kann. Dazu muß die Glass-Steagall-Bankentrennung wieder eingeführt werden.

 

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Caroline Hartmann redigiert den wöchentlichen Newsletter des Schiller-Instituts e.V., aus dem dieser Text entnommen ist. Das Schiller-Institut mit Sitz in Laatzen bei Hannover wurde 1984 gegründet und wendet sich «gegen die trotzigen Anmassungen der Fürstengewalt» (Schiller).

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