Soziale Isolation führt zu einem höheren Sterberisiko

Während der Corona-Zeit fielen Treffen mit Freunden und Familien aus. Fehlende soziale Beziehungen aber hängen mit einer erhöhten Sterblichkeit zusammen, zeigt nun eine neue Studie.

Statt mit Freunden im Kino sassen wir während des schweizweiten Shutdowns oft allein vor dem Bildschirm. Hochzeiten fanden ohne Gäste statt. Der Jass-Abend fiel aus. Die fehlenden Sozialkontakte schlagen nicht nur aufs Gemüt, nein, sie können sogar ein handfestes Gesundheitsrisiko darstellen, besonders für ältere Menschen. Zu diesem Schluss kommt eine neue Studie aus Deutschland, die den Gesundheitszustand von über 4000 Teilnehmern, die im Schnitt 60 Jahre alt waren, über einen Zeitraum von 13 Jahren verfolgte. Konkret war die Sterblichkeit um 50 Prozent erhöht, wenn die Probanden schlecht sozial integriert waren.

Insgesamt starben 530 Teilnehmer im Laufe der Studie. Dass die Todesfälle tatsächlich mit den Sozialkontakten in Zusammenhang standen und nicht etwa mit Alter, Geschlecht, Bluthochdruck oder Depression, haben die Studienautoren mittels statistischer Verfahren überprüft.

Zwar ist es aus früheren Studien bereits bekannt, dass Einsamkeit ein Gesundheitsrisiko ist. Allerdings beruhen diese oft auf einer Selbsteinschätzung der Probanden dazu, wie einsam oder wie gut sozial integriert sie sich fühlen. Das Besondere an der neuen Studie ist, dass das Team aus Medizinern, Psychologen und Soziologen bei den sozialen Beziehungen genauer hinschaute: So zählten sie etwa die Zahl der sozialen Kontakte oder die Einbindung in Vereine und untersuchten, wie sehr sich die Probanden in ihren Sozialbeziehungen emotional, instrumentell, das heisst zum Beispiel durch Hilfe im Haushalt, und finanziell unterstützt fühlten.

Schlaganfall, wenn einer allein alles bezahlt

Dabei stellte sich heraus, dass es besonders die fehlende finanzielle Unterstützung in sozialen Beziehungen ist, die das Risiko für Schlaganfälle und Herzinfarkt deutlich erhöht. Also, wenn zum Beispiel in einer Beziehung die Kosten für Miete, Strom und Einkauf nicht geteilt werden. «Eine mögliche Erklärung ist, dass fehlende finanzielle Unterstützung psychologische und körperliche Stressreaktionen hervorrufen kann», sagt Urte Scholz, Professorin für Angewandte Sozial- und Gesundheitspsychologie am Psychologischen Institut der Universität Zürich. Dieser Stress könne dann zu Herzkreislaufproblemen führen.

Auch, dass fehlende Sozialkontakte das Sterberisiko erhöhen, kann vermutlich auf ein höheres Stress-Level zurückgeführt werden. Aber die Studie gibt auch Hinweise darauf, dass, wer weniger sozial eingebunden ist, auch mehr raucht und trinkt, schlechtere Bildung oder ein geringeres Einkommen hat. «Die Daten legen nahe, das fehlende soziale Integration auch damit einhergeht, dass man ungesünder lebt», sagt Scholz.

Eins-zu-eins auf die Situation anwenden, die wir während des Corona-Shutdowns erlebten, könne man die Resultate der Studie jedoch nicht, sagt die Psychologin. «Wir haben ja viel eher eine physische als eine soziale Isolation erlebt». Dennoch zeige die Studie, dass es gut tut, soziale Kontakte zu pflegen, gerade in der Zeit der Isolation, die aus anderen Gründen zusätzlichen Stress auslöse. Den Jass-Club digital durchführen, ist also besser als gar nicht.