Totale Mediendiät funktioniert doch nicht

Der Züricher Erfolgsautor Rolf Dobelli empfiehlt in seinem neusten Buch «Die Kunst des digitalen Lebens eine hundertprozentige News-Diät. Ein Interview führt ihn aufs intellektuelle Glatteis.

Rolf Dobelli (hier bei der NZZ) behauptet, nicht einmal die Namen der sieben Bundesräte zu kennen. (Bilkd: © NZZ)

Der Tamedia-Journalistin Judith Wittwer und ihrem Kollegen Linus Schöpfer ist etwas Seltenes gelungen: Sie haben in einem langen Interview einen Erfolgsautor mit kluger Gesprächsführung dazu geführt, sich selbst eine Blösse zu geben. Anlass dazu war das neuste Buch des Schweizer Sachbuchautors Rolf Dobelli, «Die Kunst des digitalen Lebens», ein Ratgeber für den News-freien Alltag.

Man darf und soll sich durchaus kritisch mit dem News-Journalismus in all seinen Erscheinungsformen auseinandersetzen, es wird von berufener Seite auch immer wieder getan, und es ist weder neu noch besonders originell. Doch was Dobelli im samstäglichen Interview (Tamedia-Medien, 31.08.2019) von sich gibt, ist über weite Strecken voller Ungereimtheiten und Widersprüche.

Wenn Dobelli damit kokettiert, dass er nicht alle Namen der sieben Bundesratsmitglieder kennt, dann ist das billige Effekthascherei. «Wer im Bundesrat sitzt, ist für das System der Schweizer Politik unerheblich», begründet Dobelli sein Nichtwissen. Das ist falsch. Nur ein kleines Beispiel: Die Ausrichtung der schweizerischen Aussenpolitik hat sich unter Bundesrat Ignazio Cassis gegenüber seinem – wohlgemerkt ebenfalls freisinnigen – Vorgänger Didier Burkhalter merklich verändert.

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Das oben verlinkte Interview mit dem Erfolgsautor Rolf Dobelli, das im «TagesAnzeiger» und im «Bund» erschien, ist kostenpflichtig. Billiger ist Dobellis Gespräch mit NZZ-Chefredaktor Eric Gujer und Marco Färber in «NZZ Standpunkte» zum Thema «Denkfehler und die Grenzen des Wissens» aus dem Jahr 2016: Man kann es gratis anschauen.