Wie und warum EZB und Fed bei der Inflationsrate betrügen

Um den Geldhahn offen zu halten, darf die Inflation zwei Prozent nicht überschreiten. Damit die offiziellen Inflationsrate tief bleibt, werden die Zahlen manipuliert.

Mit dem Einsetzen der Finanzkrise 2007-08 begann die Federal Reserve mit dem Mega-Bailout der Wall-Street-Banken, der sich nach Schätzungen des Levy Economic Institute kumulativ auf 29 Billionen $ (1012!) belief. Die neue Rettungsaktion der Fed seit 17.9.2019, als der Repo-Markt einfror, hat kumulativ 6,6 Bio. $ erreicht, eine höhere Rate als in der Phase 2007-10.
Die monatliche Rate der Geldspritzen und Kreditrefinanzierungen beläuft sich bei der aktuellen Rettungsaktion auf durchschnittlich 1,65 Bio.$, verglichen mit damals 0,93 Bio. $. Mit anderen Worten: Die aktuelle Liquiditätskrise ist ernster.

Allerdings wächst der Druck auf die Zentralbanken, die Null- oder Negativzinspolitik zu beenden, die Sparkassen und Einlagenbanken ruiniert. Die Europäische Zentralbank (EZB) begründet ihre geldpolitische Expansionspolitik bisher damit, daß die offizielle Inflationsrate in der Eurozone auf etwa 2% steigen müsse, was Monetaristen als die Schwelle für Investitionsanreize betrachten.

Sobald die Immobilienpreise in die Inflationsratenrechnung einfließen, hat die Null- und Negativzinspolitik der EZB keine Existenzberechtigung mehr.

Die EZB manipuliert jedoch die Inflationszahlen, um weiter billiges Geld für Hedgefonds und Zombie-Unternehmen bereitzustellen. Die Präsidentin des Sparkassenverbands Westfalen-Lippe, Prof. Liane Buchholz, hat den EZB-Betrug in einer Rede auf der Verbandsversammlung am 17.2. aufgedeckt. Sie erklärte, in den 28 EU-Ländern habe im vergangenen Jahr die Inflationsrate bei 1,5% gelegen, aber Experten zufolge würde die Rate um 0,5% steigen, wenn man die Immobilienpreise einbezieht. Die EZB würde damit ihr Inflationsziel von 2% erreichen.
Sobald die Immobilienpreise in die Inflationsratenrechnung einfließen würden, „hat die Null- und Negativzinspolitik der EZB keine Existenzberechtigung mehr“.

Die von der EZB angegebene offizielle Inflationsrate von 1,5% entspricht dem EU- Durchschnitt. Deutschland meldete für Januar eine Inflationsrate von 1,7%.
Der Leipziger Ökonom Gunther Schnabl erklärt jedoch, nach seinen Berechnungen habe die Inflation 2019 bei 5,1% gelegen, wie das Magazin Focus berichtete. Seine Berechnungen beinhalten unter anderem die Immobilienpreise sowie die geringere Qualität von Produkten, die zum gleichen Preis verkauft werden. Schnabl kritisierte zudem die Umstellung der EZB auf „grüne“ Finanzierungen als einen weiteren Vorwand, um die Bilanz der Bank aufzublähen.

Da der eigentliche Zweck der Geldmengenausweitung darin besteht, bankrotte Megabanken am Leben zu erhalten, bereiten die Zentralbanken eine neue Erklärung vor, die Fed-Gouverneur Lael Bainard in einer Rede auf einem Forum der Universität Chicago am 21.2. anführte. Die Fed sollte nicht aufhören, Gelder ins System zu pumpen, wenn das Inflationsziel von 2% erreicht ist, sagte er, weil sie frühere Fehlbeträge ausgleichen müsse. Stattdessen sollte das Liquiditätspumpen so lange fortgesetzt werden, bis der „Durchschnitt“ den Zielwert von 2% erreicht - was vermutlich lange bedeutet, da die durchschnittliche Inflationsrate seit 2012 bei 1,4% liegt.

Da das so eingepumpte Geld aber nicht in die Realwirtschaft, sondern in Börsen- und andere Blasen fließt, wird das Finanzsystem früher oder später unweigerlich zusammenbrechen, entweder in einer Kettenreaktion von Insolvenzen oder in einer Hyperinflation. Der erste Schritt für eine Lösung müßte sein, mit einer Glass-Steagall-Bankentrennung das Problem unter Quarantäne zu stellen.

 

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Caroline Hartmann redigiert den wöchentlichen Newsletter des Schiller-Instituts e.V., aus dem dieser Text entnommen ist. Das Schiller-Institut mit Sitz in Laatzen bei Hannover wurde 1984 gegründet und wendet sich «gegen die trotzigen Anmassungen der Fürstengewalt» (Schiller).