Warum das private Geld der Banken ungerecht ist

Geld / Macht / Ungleich – dies war das Thema der Jahrestagung des deutschen Vereins Monetative vom 11. November in Frankfurt. Hansruedi Weber, Präsident des Vereins Monetäre Modernisierung illustrierte darin einem viel beachteten Vortrag die systembedingte Ungerechtigkeit der Kreditgeldschöpfung der Banken.

«Ohne Täuschungen wäre die Kreditgeldschöpfung überhaupt nicht möglich»: Hansruedi Weber

Was die Mehrheit der Bevölkerung, Banker und Politiker eingeschlossen nicht weiss: Die Banken schöpfen Geld, wenn sie Kredite verleihen. Sie verleihen nicht das Geld der Sparer, wie sie unentwegt behaupten, sondern sie schreiben den Kreditnehmern Geld ins Konto, das es vorher nicht gegeben hat, das nicht erarbeitet worden ist und dessen Gegenwert in der Zukunft erst noch erschaffen werden muss. Das ist schlechterdings unmöglich, weil jedem neuen Geld, das auf diesem Weg entsteht eine grössere Forderung der Banken gegenübersteht, nämlich Kreditbetrag plus Zinsen.
Wie vielfältig die Ungerechtigkeiten sind, die aus dieser Form der Geldschöpfung erwachsen, erläuterte Hansruedi Weber in seinem Vortrag an der Jahrestagung der Monetative in Frankfurt:

«Der Kreditvertrag, der die Giralgeldschöpfung ermöglicht, enthält viele Asymmetrien – ein vornehmeres Wort für Ungerechtigkeiten.
Das Verfahren der gegenseitigen Verschuldung und die ausgewogene Bilanzdarstellung gaukeln eine Neutralität vor, die in Wirklichkeit gar nicht vorhanden ist.
Es handelt sich u.a. um folgende Asymmetrien:
Insider-Asymmetrie, Zahlungs-Asymmetrie, Zins-Asymmetrie, Leistungs-Asymmetrie, Freiheits-Asymmetrie, Risiko-Asymmetrie, Zeit-Asymmetrie.
Von all diesen Asymmetrien, zusammenfassend Informations-Asymmetrien, weiss der Durchschnittsbürger nichts. Wir hingegen sollten sie kennen.

Insider-Asymmetrie: Der Kreditnehmer geht davon aus, die Bank müsse sich refinanzieren. Dass dem nicht so ist, weiss er in den meisten Fällen auch heute noch nicht. Und erst recht nicht, dass er mit seinem Rückzahlungsversprechen eigentlich sein eigener Kreditgeber ist.

Zahlungs-Asymmetrie: Dem Rückzahlungsversprechen des Kreditnehmers steht das Auszahlungsversprechen der Bank gegenüber. Aber während die Kredittilgung zwingend ist, ist die Barauszahlung des Sichtguthabens nicht nur sehr unwahrscheinlich. Die Bank rechnet mit dieser Unwahrscheinlichkeit, und die meisten Kunden ahnen nichts davon.

Zins-Asymmetrie: Der Kreditnehmer ist verpflichtet, für seine Schuld – den Kredit – Zinsen zu zahlen; die Bank hingegen braucht für ihre Schuld, das Sichtguthaben, keine Zinsen zu zahlen, obwohl der Kreditnehmer ihr Bargeld-Gläubiger ist.

Leistungs-Asymmetrie: Für die Erwirtschaftung der Tilgungs- und Zinskosten muss der Kreditnehmer i.d.R. einen erheblichen Aufwand an Arbeit und Zeit leisten. Die Bank aber stellt den Kredit mittels blossen Keystrokes zur Verfügung („aus dem Nichts“).

Freiheits-Asymmetrie: In der existierenden Geldgesellschaft ist jedermann auf Gedeih und Verderb von einem monetären Einkommen abhängig. Doch ohne Bankkonto kommt niemand an Geld heran. Die sogenannte „Verschuldungsbereitschaft“ ist ein existenzieller Zwang, was es den Banken erlaubt, ihre „Kreditgewährungsbereitschaft“ ganz von ihrem eigenen Nutzenkalkül abhängig zu machen.

Risiko-Asymmetrie: Als Kreditnehmer muss ich meine Bonität beweisen, Sicherheiten stellen und mein Vermögen aufs Spiel setzen, während sich die Bank im Konkursfall schadlos halten kann, indem sie in mein Eigentum vollstreckt.

Zeit-Asymmetrie: Banken schaffen mittels Kredit Geld im Vorgriff auf zu schaffende Werte (Paul Schreyer) – oder anders herum: sie verwandeln künftige Reichtümer in gegenwärtige Profite (Joseph Vogl). Damit besetzen sie die Zeit und legen die Zukunft jener fest, denen sie Kredit gewähren.
Ohne all diese Täuschungen wäre die Kreditgeldschöpfung überhaupt nicht möglich.

Download des vollständigen Vortrags

Hansruedi Weber ist Präsident des Vereins Monetäre Modernisierung und des Initiativkomitees für die Vollgeld-Initiative.

Kommentare

Geschrieben von PaulSteinman - 18.01.2018

Die Vorteile der Vollgeld-Reform werden vertieft und gut erklärt.

Es wird erkennbar, dass das aktuelle Geldsystem eine moderne Form der Sklaverei ist. Wer Geld selber herstellen und mit Zins verleihen kann, der hat alle Macht zu herrschen, denn Geld regiert die Welt. Wir Schweizer müssen ein Leben lang arbeiten, um nur die Zinsen der eingegangenen Schulden zu erarbeiten. Den Banken genügt ein Mausklick. Dieses entscheidende Privileg haben sich die Banken ohne demokratische Legitimation genommen.

Im Vollgeld-System müssen wir nicht auch noch die Banken in Schieflage retten. Unser erarbeitetes Geld ist sicher - ausserhalb der Bankbilanz. Es schafft mehr Chancengleichheit und Gerechtigkeit. Wir Schweizer haben einen gesunden Instinkt gegen gefährliche Machtkonzentrationen und werden das Privileg der Geldschöpfung wieder der SNB geben. Es ist für uns Bürger absolut elementar, dass die SNB, unter Wahrung grösstmöglicher Unabhängigkeit, bestmöglich in unsere direkte Demokratie eingebunden wird. Ein Staat ohne Geldschöpfungs-Monopol wird zum erpressbaren Spielball der privaten Geldverleiher. Griechenland ist erst der Anfang. Weitere Staaten werden folgen. Ohne funktionierende, schlanke Staaten regiert nur noch das Kapital.

Ganz abgesehen davon ist das aktuelle Geldsystem der Motor hinter dem exponentiellen Wachstum, welches unsere Welt zu einem kriegerischen und verschmutzten Ort macht, ohne jede Nachhaltigkeit. In einer endlichen Welt leben wir auf Kosten künftiger Generationen.

Wer für wirkliche Demokratie, Frieden und Umweltschutz eintritt, muss für Vollgeld sein.