Rapunzel, Bützchen und Schinkenwurz

Robert Zollinger von der Hortiplus GmbH sucht vergessene Wurzelgemüse, damit sie wieder angebaut werden können.

Ernte von Wurzelgemüse. Dargestellt im Tacuinum sanitatis, dem mittelalterlichen Bilder- kodizes, der auf das aus dem 11. Jahrhundert stammenden Werk Taqwim es-sihha des nestorianisch-christlichen Arztes Ibn Butlan zurückgeht.

Kennen Sie «Rapunzel, Bützchen und Schinkenwurz»? Nein, das ist kein neu gefundenes Märchen. So heissen verschollene und vergessene Wurzelgemüse, die der Samenzüchter Robert Zollinger wieder aus dem Dornröschenschlaf erwecken und neu beleben will. Ziel ist die Wiederentdeckung und nachhaltige Nutzung von Wurzelgemüse, das aus der Gartenkultur praktisch verschwunden ist.

Rapunzel, Bützchen, Golddistel und weitere seltene Arten gediehen früher in Kloster- und Heilpflanzengärten. Sie sind heute für die Kultur im Hausgarten und für den spezialisierten Erwerbsanbau gesucht. Mit neuen, überraschenden Geschmacksnoten und Verwendungsmöglichkeiten sind sie ebenso prädestiniert für den täglichen Familientisch und die festliche Tafel wie auch für die Haute Cuisine der Spitzenköche.

Genau solche Gemüsearten sind eine willkommen geheissene Bereicherung der Küchengärten und Menükarten. Diese Wurzelgemüse sollen neu entdeckt, züchterisch gepflegt und nach einer Saatgutvermehrung für die Kultur in Kleingärten und im innovativen Erwerbsanbau verfügbar gemacht werden. Denn eine Sorte lebt, wird nachhaltig genutzt und langfristig erhalten, wenn sie in den Gärten gedeiht und Bestandteil einer gesunden Ernährung wird.

Das ehrgeizige Projekt von Hortiplus will so die Kulturpflanzenvielfalt fördern und dem Verlust an Biodiversität entgegenwirken. Bei diesem Vorhaben wird Hortiplus vom Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) unterstützt.

Ziel ist die Wiederentdeckung und Inwertsetzung verschollener und verschwundener Wurzelgemüse. Sie sollen in einer auf die Pflege und Ernte von frischen und gesunden Lebensmittel ausgerichteten Gartenkultur verankert werden. Was wie ein Märchen tönt, soll Wirklichkeit werden. Helfen Sie mit!

Wer pflanzt noch seltene Wurzelgemüse wie Kaffezichorien und Golddistel?

Wo werden diese raren Arten noch im Garten gezogen und wer kann Samen oder Wurzeln davon abgeben? Hortiplus sucht Sorten von verschollenen und kaum mehr angepflanzten Wurzelgemüsen. Der Suchaufruf ist an alle Gärtner_innen gerichtet, denen die Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt und des hortikulturellen Erbes ein Bedürfnis und wichtiges Anliegen ist.

Gesucht sind vor allem:
- Bützchen, Butzenklette – Arctium lappa
- Rapunzel, Rapunzel-Glockenblume – Campanula rapunculus
- Kaffeezichorie als Kaffeesurrogat – Cichorium intybus incl. Magdeburger
- Knollen-Platterbse – Lathyrus tuberosus
- Schinkenwurz, Gewöhnliche Nachtkerze – Oenothera biennis
- Gewöhnliche Eselsdistel – Onopordum acanthium
- Spanische Golddistel – Scolymus hispanicus
- Haferwurzel – Tragopogon porrifolium

Hinweise an:
Robert Zollinger, Dipl. Ing. Landschaftsökologie
Hortiplus GmbH, 1897 Les Evouettes, Mobile +41 (0)79 332 43 85
robert.zollinger@hortiplus.ch
www.hortiplus.ch