Der leise Film wirkt umso nachhaltiger

«Der leise Film» – unter diesem Markenzeichen drehen und vertreiben Karl-Heinz Heilig und Ulla Haschen unspektakuläre aber berührende Dokumentarfilme über das weite Thema der gelebten Menschlichkeit. Für den Verleih sind die Filme zu leise, aber wenn die beiden ihre Werke vorführen – bevorzugt in Kirchen – kommen Hunderte und lassen sich bewegen.

Wovon handeln diese Liebeserklärungen an das Leben? «La casa delle favole» (Das Haus der Märchen) von 1999 erzählt die Geschichte des Weltenbummlers Walter Bartlomé, der auf seine alten Tage in der Senseschlucht ein irdisches Paradies geschaffen hat und ein einfaches, naturverbundenes Leben führt. «Zwischen Himmel und Erde – die Baukunst der Glücklichen» von 2002 verfolgt die Arbeit der Mosaikkünstlerin Dorothea Kalb-Brenek und des Architekten und Weidenbaukünstlers Marcel Kalberer und zeigt die Entstehung von grünen Palästen. «Geträumtes Leben – gelebter Traum» porträtiert den Schweizer Architekten Otto Schärli, ein Weggefährte des legendären Hugo Kükelhaus, den Bildhauer und Pädagogen Gerhard Helmers und den Holzbaukünstler Peter Seifert und zeigt, was für wunderbare Werke aus einem tieferen Verständnis von Architektur und Handwerk entstehen. «All’ns vör use Döör – alles vor unserer Tür» (2007 zeigt die Heil- und Wildkräuterfrau Helga Köhne und ihren zauberhaften Garten im Friesland, wie sie kocht, Kurse gibt und lebt. «Ein Leben in Kladde» (2009) begleitet den Oldenburger Ingenieur und Solarpionier Marius Eriksen vom Armeleutehaus über die Gründung mehrerer Firmen bis zur Initiierung von Stiftungen. Was die Filme auszeichnet, ist der Blick auf das Wesentliche, das sich erst auf den zweiten Blick erschliesst – und dieser Blick braucht Zeit und Stille. Deshalb der leise Film.

Diese leisen Filme passen weder in die schnelle Oberflächlichkeit des Fernsehens noch ins grosse Geschäft des Kinoverleihs. Wie Karl-Heinz Heilig sagt, steht hinter den Filmen, die es bei uns ins Kino schaffen, ein Marketingbudget, das oftmals mindestens so hoch ist wie die Produktionskosten. Da können Karl-Heinz Heilig und Ulla Haschen nicht mithalten. Sie haben deshalb eine private Filmförderung mit zur Zeit 2500 Supportern aufgebaut, die mithelfen, die nächsten Filme über vier Schwarzwaldbäuerinnen, die Dünensänger von Spiekeroog und zum Thema Abschied zu realisieren. Filmförderer erhalten eine DVD, ein bibliophiles Buch zum Film und zwei Eintrittskarten zur Premiere. Zudem vertreiben Heilig und Haschen ihre Filme auf DVD selber und stehen für Vorführungen mit professioneller Kinoausrüstung zur Verfügung.
  

Mehr Infos bei Karl-Heinz Heilig, Film und Medienproduktion, Quellenweg 83, D-26129 Oldenburg. www.heilig-film.de
01. November 2009
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