An Medien durchgestochene Audioaufnahmen sollen zeigen, dass Honduras als strategischer Stützpunkt für US-amerikanische und israelische Interessen ausgebaut werden soll. Konkret soll es insbesondere um die Ausweitung von Sonderwirtschaftszonen und eine neue US-Militärbasis gehen. Das spanische Online-Portal „Diario Red“ hat gemeinsam mit der Plattform „hondurasgate“ im April 37 Sprachnachrichten veröffentlicht. Die Aufnahmen sollen aus WhatsApp-, Signal- und Telegram-Chats von Anfang 2026 stammen. Im Zentrum der Leaks steht der ehemalige honduranische Präsident Juan Orlando Hernández. Auch der aktuelle honduranische Präsident Nasry Asfura, Vizepräsidentin María Antonieta Mejía, der Präsident des Nationalkongresses Tomás Zambrano und die Wahlratsrätin Cossette López-Osorio sollen in den Aufnahmen zu hören sein. Alle genannten Personen weisen die Aufnahmen als Fälschung zurück.
Ex-Präsident Hernández war 2024 in den USA wegen Drogenhandel und Annahme von Geldern des mexikanischen Drogenbosses Joaquín „El Chapo“ Guzmán verurteilt worden. Die Staatsanwaltschaft habe bei der Verurteilung geltend gemacht, dass Hernández den Staatsapparat für Drogengeschäfte genutzt habe. Drogenhändler hätten unter dem Schutz der höchsten Regierungsebene operieren können. Ziel sei es gewesen, „die Vereinigten Staaten mit Kokain zu überschwemmen“. Honduras war bereits 2021 auf eine US-Liste „korrupter und undemokratischer Akteure“ aufgenommen worden.
Im Dezember 2025 war Hernández jedoch von US-Präsident Donald Trump begnadigt worden. Das Online-Magazin „amerika21“ schreibt, die Regierung Trump habe mit der Begnadigung gezeigt, dass sie „ohne Skrupel mit verurteilten Drogenbossen kooperiert, sobald dies ihren Interessen entspricht“. In geleakten Audioaufnahmen, die Hernández zugeschrieben werden, heißt es, seine Begnadigung sei durch israelisches Lobbying und mit direkter Beteiligung von Premierminister Benjamin Netanjahu zustande gekommen.
In den durchgestochenen Audioaufnahmen ist von Plänen die Rede, Hernández wieder an die Macht zu bringen. Ziel sei laut „Diario Red“, „die Umwandlung des honduranischen Territoriums in einen wichtigen geopolitischen Brückenkopf“, mit dem US-amerikanische Interessen „gegenüber China und anderen Mächten“ in Lateinamerika durchgesetzt werden sollen. Konkret sei etwa geplant, existierende Sonderwirtschaftszonen (Zedes) massiv auszubauen. Diese Sonderwirtschaftszonen werden weitgehend von privaten, oft ausländischen Investoren betrieben – mit eigenem Rechtssystem, Steuerrecht, eigener Polizei und Gerichten. Laut „amerika21“ ist „Próspera“ auf der honduranischen Insel Roatán die „am weitesten fortgeschrittene Zede“. Zu den Investoren gehöre unter anderen der Multimilliardär und Gründer von PayPal und Palantir Peter Thiel. Er ist zugleich ein wichtiger Unterstützer von Trump und US-Vizepräsident J. D. Vance.
Auch ein Freihandelsabkommen sowie die Verabschiedung eines Sondergesetzes zur Förderung von KI-Investitionen für US-amerikanische und israelische Unternehmen seien geplant. Zugleich sei bereits vereinbart worden, in der Nähe dieser Sonderwirtschaftszonen eine neue US-Militärbasis zu bauen, zusätzlich zum bereits seit 1982 bestehenden US-Luftwaffenstützpunkt „Palmerola“.
Aus den Leaks soll außerdem hervorgehen, dass politische Gegner, wie die eher linken Regierungen Mexikos, Kolumbiens oder Brasiliens mittels Falschinformationen diskreditiert werden sollen. In einem Gespräch, das Juan Orlando Hernández zugeschrieben wird, behauptet dieser, der argentinische Präsident und Trump-Vertraute Javier Milei stelle 350.000 Dollar für das Projekt bereit, das darauf abziele, „den Krebs der Linken“ in Lateinamerika „auszurotten“.
Zur Authentizität der Audios gibt es unterschiedliche Einschätzungen. Die Plattform „hondurasgate“ erklärt, die Aufnahmen seien mit einem speziellen Verifizierungswerkzeug überprüft worden. Die Prüfung habe eine niedrige Wahrscheinlichkeit für eine KI-Generierung der Sprachaufnahmen ergeben. Auch die Plattform „Drop Site News“ hat eine Prüfung von drei Aufnahmen in Auftrag gegeben, die ergeben habe, dass diese „wahrscheinlich nicht KI-generiert“ seien. Eine vollständige, unabhängige Prüfung aller 37 Audios liegt nicht vor.