Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hat nach anfänglichem Sträuben die aktuellen Zahlen zu Anträgen auf Kriegsdienstverweigerung bekanntgegeben. Zuerst hatte das Verteidigungsministerium die Auskünfte in einer Antwort an den Bundestag mit Verweis auf das Staatswohl unter Verschluss gehalten. Später wurde dies als Büroversehen bezeichnet.
Im laufenden Jahr 2026 sind bereits nach vier Monaten deutlich mehr Gesuche eingegangen als im Vergleichszeitraum zuvor. Die Anträge liegen bei mehr als zwei Dritteln des gesamten Vorjahreswerts. Im Jahr 2025 hatten rund 3900 Personen einen solchen Antrag gestellt. Das Grundrecht auf Kriegsdienstverweigerung ist im Grundgesetz verankert, doch im Zusammenhang mit dem neuen Wehrdienstgesetz und dem angestrebten Personalaufbau der Bundeswehr gewinnt das Thema an Brisanz.
Die Linke kritisierte das Vorgehen scharf und sieht in der nachträglichen Freigabe keinen blossen Einzelfall. Beobachter werten die steigenden Zahlen als Zeichen wachsender Skepsis gegenüber einer möglichen Rückkehr zur Wehrpflicht oder verstärkten Dienstverpflichtungen. Das Ministerium betont indes die Notwendigkeit einer leistungsfähigen Armee in unsicheren Zeiten.