In der Schwiz lebende kurdische Schriftstellerin Suzan Samancı bei Einreise in die Türkei festgenommen
Gericht verhängt Ausreisesperre gegen PEN-Mitglied

Die kurdische Schriftstellerin Suzan Samancı ist am Dienstag bei ihrer Einreise in die Türkei am Flughafen Istanbul festgenommen worden. Gegen die seit 18 Jahren in der Schweiz lebende Autorin wird wegen des Vorwurfs der «Propaganda für eine Terrororganisation» ermittelt. Nach ihrer Aussage wurde sie unter Auflagen freigelassen und mit einer Ausreisesperre belegt.

Bekannt gemacht hat die Festnahme die Rechtsanwältin und Menschenrechtsaktivistin Eren Keskin. «Die kurdische Schriftstellerin Suzan Samancı, die seit 18 Jahren in der Schweiz lebt, ist heute in die Türkei zurückgekehrt. Am Flughafen Istanbul wurde sie wegen des Vorwurfs der ‹Organisationspropaganda› festgenommen», erklärte Keskin.

Nach Abschluss der Vernehmung wurde Samancı zunächst der Staatsanwaltschaft und anschliessend einem Haftrichter vorgeführt. Über ein Videokonferenzsystem wurde die 64-Jährige mit dem zuständigen Gericht in Amed (tr. Diyarbakır) verbunden. Die Kammer ordnete eine Ausreisesperre als gerichtliche Kontrollmassnahme an und liess Samancı frei.

Suzan Samancı stammt aus Amed und gehört seit Jahrzehnten zur kurdischen Literaturszene. Ihre literarische Arbeit begann sie mit Lyrik, später wandte sie sich vor allem der Kurzgeschichte und dem Roman zu. Daneben schrieb sie unter anderem für die Zeitungen Demokrasi, Gündem und Özgür Politika. Sie ist Mitglied des Schriftstellerverbands PEN.

Ihre Werke wurden in mehrere Sprachen übersetzt und erschienen auf Deutsch unter anderem im Unrast-Verlag. Nachdem Samancı zunächst auf Türkisch geschrieben hatte, veröffentlichte sie 2015 mit «Ew Jin û Mêrê Bi Maske» erstmals einen Erzählband in ihrer kurdischen Muttersprache. 2019 folgte mit «Mirzayê Reben» ihr erster kurdischsprachiger Roman. Zuletzt erschien 2024 der ebenfalls auf Kurdisch verfasste Roman «Payiz an jî Ziyab».