Deutschlands ungebrochene Unterstützung für Israel ist wert-e-los, findet Michael Barenboim
Kritik an der deutschen Haltung trotz Minister-Aussagen, täglich 30-40 Palästinenser in Gaza hinrichten zu wollen

Zwar verurteilen deutsche Politiker die jüngsten Äusserungen von Israels Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir verbal. Aber ihre reale Unterstützung für Israel bleibt ungebrochen. Bundeskanzler Friedrich Merz und Aussenminister Wadephul nannten die Forderungen des Ministers «nicht hinnehmbar», «menschenverachtende völkerrechtswidrige Appelle» und «unsäglich». 

Ben-Gvir hatte in einem Podcast verlangt, jede Nacht 30 bis 40 Menschen in Gaza zu töten, und erklärt: «Da sind Leute, die des Lebens nicht würdig sind; sie sollten nicht leben; das sind nicht einmal Menschen.»

Der Musiker und Professor Michael Barenboim kritisiert in einem Kommentar im Freitag, dass diese plötzliche Empörung zumindest verwunderlich sei. Denn Ben-Gvirs Aussagen reihten sich nahtlos in eine lange Liste entmenschlichender Rhetorik ein. Verteidigungsminister Katz habe etwa gesagt, die Zerstörung in Gaza «fühle sich gut an» und sei Teil einer «bewussten Strategie». Premierminister Netanjahu erklärte im Mai 2025, Israel zerstöre «immer mehr Häuser, sodass (Palästinenser) nirgendwohin zurückkehren können».

Barenboim verweist auf die UN-Kommission, die 2025 und erneut 2026 festgestellt habe, dass in Gaza ein Völkermord stattfinde. Der Historiker Raz Segal sprach schon 2023 von «einem Lehrbuchbeispiel für Völkermord». Das eigentliche Problem seien nicht diese einzelnen Aussagen, sondern die Absicht, Palästinenser als Gruppe auszulöschen. 

Statt das zu sehen und zu verhindern, bleibe die deutsche Kritik oft auf die Person Ben-Gvir beschränkt. Über die Tötung von Kindern, die Blockade humanitärer Hilfe oder die Übernahme von Territorium werde kaum gesprochen.Israel, der sogenannte «Wertepartner», setze die «andauernde Nakba» fort. Ein echtes Umdenken in der deutschen Aussenpolitik sei dringend nötig, sonst bleibe die Unterstützung wertlos.