Israelische Miniserie beleuchtet das Leben von Etty Hillesum
Tagebücher einer Jüdin im Amsterdam unter deutscher Besatzung: Entwicklung zur Menschlichkeit in dunkler Zeit

In einer sechsteiligen Fernsehreihe hat der israelische Regisseur Hagai Levi die Aufzeichnungen der Amsterdamerin Etty Hillesum verarbeitet. Die junge Frau erlebt in den besetzten Niederlanden zunehmende Bedrängnis, doch im Mittelpunkt stehen zuerst ihre eigenen seelischen Kämpfe und die Begegnung mit dem Psychotherapeuten Julius Spier.

Hillesum, 1914 geboren und 1943 in Auschwitz ums Leben gekommen, hinterliess ihre Tagebücher in der Hoffnung auf spätere Veröffentlichung. Im Gegensatz zu den bekannten Aufzeichnungen von Anne Frank fanden ihre Schriften erst in den Achtzigerjahren ein Publikum und wecken seither wachsendes Interesse. 

Die Serie verzichtet bewusst auf deutliche Kennzeichen der nationalsozialistischen Herrschaft wie Hakenkreuze oder Judensterne. Stattdessen schafft Levi durch zeitlose Bilder und moderne Alltagsdetails eine verfremdende Nähe: Die von Julia Windischbauer verkörperte Etty radelt wie eine heutige junge Frau durch Amsterdam. Im Vordergrund stehen ihre anfängliche Selbstbezogenheit und der langsame Ausbruch aus narzisstischen Mustern dank der Therapie.

Durch diese Annäherung ermöglicht die Reihe ein unmittelbares Mitfühlen mit der Protagonistin. Zuschauerinnen und Zuschauer erleben, wie Etty inmitten wachsender Repression innere Stärke gewinnt und sich für Mitmenschen einsetzt. Statt reiner Geschichtsdarstellung rückt die Frage in den Vordergrund, wie man unter Druck Mensch bleibt. Die Reihe ist in der Arte-Mediathek verfügbar.

Portrait über Etty Hillesum auf Zeitpunkt.ch