Medellín: vom Hotspot der Gewalt zur grünen Stadt
Wer heute durch Medellín schlendert, die grünen Korridore nutzt oder mit der Metrocable über die Hänge fährt, kann kaum glauben, dass diese Stadt einst als gefährlichste Metropole der Welt galt.
Blick auf die bunte Comuna 13
Blick auf die bunte Comuna 13. Bild: Shutterstock

Medellín, die zweitgrösste Stadt Kolumbiens, erlebte eine der spektakulärsten Stadtentwicklungen der jüngeren Geschichte. In den 1980er- und frühen 1990er-Jahren galt sie als Weltauptstadt der Gewalt. Das Medellín-Kartell unter Pablo Escobar dominierte die Stadt. 1991 lag die Mordrate bei rund 380 bis 395 Morden pro 100 000 Einwohner. Ganze Viertel, besonders die Comunas an den Steilhängen, wurden von Kartellen, Guerillas und Paramilitärs kontrolliert und waren für Aussenstehende oft unzugänglich. Diese Armenviertel waren so schnell gewachsen, weil die Landbevölkerung Kolumbiens zu Millionen in die Städte floh - vertrieben eben durch den angeblichen «Krieg gegen Drogen», der viel mehr ein Krieg der Kleinbauernenteignung war.

Nach Escobars Tod 1993 ging die Gewalt in Medellin langsam zurück. Der eigentliche Wandel begann ab den 2000er-Jahren mit dem sozialen Urbanismus. Unter Bürgermeistern wie Sergio Fajardo setzte die Stadt auf die Integration der vernachlässigten Viertel durch hochwertige Infrastruktur. Das Metro-System wurde durch Metrocable-Seilbahnen ergänzt, die die Hangsiedlungen mit dem Zentrum verbinden und Fahrzeiten massiv verkürzen. In der Comuna 13 entstanden öffentliche Rolltreppen. In benachteiligten Quartieren baute man Bibliotheksparks, Schulen und Gemeinschaftszentren. Diese «Proyectos Urbanos Integrales» verbanden Infrastruktur, öffentlichen Raum und soziale Programme.

Die Mordrate fiel auf etwa 13 pro 100 000 Einwohner im Jahr 2023. Die Armut nahm deutlich ab. Medellín wurde 2013 zur innovativsten Stadt der Welt ausgezeichnet.

Ab 2016 verstärkte die Stadt den ökologischen Umbau. Mit über 30 grünen Korridoren (Corredores Verdes) entlang von Strassen und Bächen wurden Hunderttausende Bäume und Millionen Pflanzen gesetzt. Die Temperatur in der Stadt sank um rund 2 Grad Celsius, lokal sogar mehr. Die Massnahmen verbessern die Luftqualität, schaffen Schattenwege und bieten Arbeit für vulnerable Gruppen. Ergänzt werden sie durch einen Grüngürtel, die Renaturierung von Bächen und ein weitgehend mit erneuerbarer Energie betriebenes öffentliches Verkehrssystem, das inzwischen als carbon-neutral gilt.

Heute ist Medellín eine lebendige, touristisch attraktive und klimafreundliche Metropole. Comuna 13 hat sich vom No-Go-Area zum Street-Art- und Tourismusziel gewandelt. Die Stadt gilt international als Vorbild für inklusiven und nachhaltigen Städtebau. Herausforderungen wie Ungleichheit und Restkriminalität bestehen weiter, doch der Wandel zeigt, wie konsequente Investitionen in Mobilität, Bildung, öffentlichen Raum und Begrünung eine Stadt grundlegend verändern können.

Wie die Entwicklung unter dem neuen Präsident Abelardo de la Espriella weitergehen wird, ist fraglich, er hat einen klaren Bruch mit dem Friedenskurs des scheidenden Präsidenten Gustavo Petro angekündigt. Seine Rückkehr zu «Ordnung, Autorität und Freiheit» und das harte Vorgehen – angeblich gegen Drogen und bewaffnete Gruppen – hatte in der Vergangenheit Jahrzehnte lang zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen geführt. Aufgrund der flohen viele Millionen Menschen in Städte wie Medellin und bildeten die Armutsviertel. (Siehe dazu auch diesen Beitrag: In Kolumbien herrscht nicht der Präsident, sondern die Gewalt.)
 

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