Das UN-Hilfswerk für Palästina-Flüchtlinge (UNRWA) hat in einer mehr als zehnmonatigen, teils geheimen Aktion umfangreiche Archive aus Gaza und Ostjerusalem in Sicherheit gebracht. Wie der «Guardian» berichtet, gelang es den Mitarbeitenden trotz Bombenangriffen und politischem Druck, Millionen von Dokumenten nach Amman zu schaffen.
Die Unterlagen enthalten originale Registrierungen von Flüchtlingen aus dem Jahr 1948, Geburts-, Heirats- und Sterbeurkunden sowie Belege zu Besitzverhältnissen. Sie sind entscheidend für die kollektive Erinnerung und mögliche künftige Ansprüche auf Rückkehr oder Entschädigung. Roger Hearn, Leiter der Operation, betonte: «Ihre Zerstörung wäre katastrophal gewesen. Es ist die einzige Evidenz dafür, dass Palästinenser an bestimmten Orten lebten.»
In Gaza mussten kleine Teams die Papiere unter höchster Gefahr nach Rafah bringen. Von dort schmuggelten Mitarbeitende mit ausländischen Pässen die Unterlagen nach Ägypten – oft getarnt als gewöhnliche Papiere. Kurz darauf wurden sie mit jordanischer Militärhilfe nach Amman geflogen, nur Tage vor dem israelischen Vorrücken auf Rafah. Parallel rettete man auch die Bestände aus Ostjerusalem.
In Amman läuft nun die Digitalisierung: Es wurden bereits rund dreissig Millionen Dateien erfasst. Die Aktion erfolgte vor dem Hintergrund schwerer Spannungen zwischen Israel und der UNRWA.