Eine wachsende Zahl amerikanischer Juden distanziert sich deutlich von Israel. Laut einer Titelgeschichte des israelischen Blattes Haaretz hat sich eine «kritische Masse» in der jüdischen Gemeinschaft in den USA entwickelt, die mit der Politik Israels zutiefst unzufrieden und teilweise angewidert ist.
Der Artikel beschreibt, wie der Gaza-Krieg und die anhaltende Gewalt zu einer tiefen Entfremdung geführt haben. Besonders unter jüngeren und progressiven Juden wächst die Kritik. Die Chefredaktorin des linken jüdischen Magazins Jewish Currents, Arielle Angel, wird zitiert: Israel habe einen Völkermord begangen. Sie fordert Wahrheit und Versöhnung und spricht von einer notwendigen «Scheidung» zwischen Teilen der Diaspora und der israelischen Regierungspolitik.
Die Berichterstattung verweist auf gespaltene Familien, zerbrochene Freundschaften und Konflikte in Synagogen. Viele amerikanische Juden fühlen sich nicht mehr automatisch mit den Handlungen Israels verbunden und lehnen es ab, diese bedingungslos zu unterstützen. Die Entfremdung betrifft vor allem die jüngere Generation und liberale Kreise, während konservative Gruppen weiterhin enge Bindung zeigen.
Der Haaretz-Beitrag löste in Israel und in jüdischen Kreisen der USA lebhafte Debatten aus. Kritiker werfen den distanzierten Juden vor, sich von ihrer Identität zu entfernen. Befürworter sehen darin einen notwendigen moralischen Aufbruch. Der Artikel unterstreicht, dass die traditionelle bedingungslose Solidarität bröckelt und eine neue Phase der Auseinandersetzung innerhalb des Weltjudentums begonnen hat.