Die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) rechnet mit nahezu hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit mit einem aussergewöhnlich starken El Niño. WMO-Generalsekretärin Celeste Saulo spricht von einem Ereignis, das bis Februar 2027 anhalten und stärker ausfallen könnte als alles seit Beginn der Aufzeichnungen. Der Höhepunkt wird gegen Jahresende erwartet.
Normalerweise treiben Passatwinde warmes Wasser von Südamerika Richtung Asien. Bei El Niño schwächen sich diese Winde ab, das Meer vor Chile, Peru und Kolumbien erwärmt sich stark. Das Plankton stirbt, Nahrungsketten kollabieren, und das globale Wetter gerät aus dem Gleichgewicht: Dürren hier, Überschwemmungen und Starkregen dort.
Messungen zeigen bereits Rekordwerte: Im September lag die Wassertemperatur im äquatorialen Pazifik 3,05 Grad über dem langjährigen Mittel – höher als beim bisherigen Spitzenwert von 2015 (3,02 Grad). Korallenstudien deuten darauf hin, dass El Niño gegenüber der vorindustriellen Zeit um rund 36 Prozent heftiger geworden ist.
Die Folgen könnten massiv sein. 2015 waren weltweit über 60 Millionen Menschen betroffen. Der bisher tödlichste El Niño 1997 forderte mehr als 23’000 Todesopfer. Saulo fordert deshalb «aussergewöhnliche Vorbereitungs- und Reaktionsmassnahmen», da Gesellschaften und Volkswirtschaften einen schweren Schlag erleiden könnten.