Afrika fordert die Rating-Riesen heraus
Neue afrikanische Ratingagentur AfCRA gestartet

Am 7. Oktober 2026 fiel in Port Louis auf Mauritius der Startschuss für die Africa Credit Rating Agency (AfCRA). Die von der Afrikanischen Union initiierte Einrichtung soll eine zusätzliche afrikanische Perspektive auf dem internationalen Ratingmarkt etablieren und faire Bewertungen afrikanischer Staaten und Unternehmen ermöglichen.

Weltweit dominieren bislang Moody’s, Standard & Poor’s und Fitch Ratings. Afrikanische Regierungen und Ökonomen werfen diesen Agenturen vor, Risiken teilweise zu hoch einzuschätzen und damit Finanzierungskosten zu verteuern. Der Auslandsschuldendienst afrikanischer Länder stieg von 61 Milliarden US-Dollar 2010 auf 163 Milliarden Dollar 2024. Eine UNDP-Untersuchung schätzte mögliche Mehrkosten durch verzerrte Ratings auf rund 74,5 Milliarden Dollar.

AfCRA will wirtschaftliche Risiken auf einer breiteren Datengrundlage und unter stärkerer Berücksichtigung lokaler Gegebenheiten bewerten. Es gehe nicht um Vorzugsbehandlung, sondern um mehr Genauigkeit und Transparenz, betonte die UN-Wirtschaftskommission für Afrika. Die Agentur soll Staaten, Unternehmen und Finanzinstitutionen bewerten und zur Mobilisierung afrikanischen Kapitals beitragen. Derzeit verfügen nur 32 der 55 AU-Mitgliedstaaten über ein internationales Rating.

Der Hauptsitz liegt in Mauritius. AfCRA ist privatwirtschaftlich organisiert; Regierungen dürfen keine Anteile halten, um politische Einflussnahme zu verhindern. Kritiker bezweifeln jedoch die Glaubwürdigkeit einer von afrikanischen Regierungen initiierten Agentur. «Glaubwürdigkeit bei Kredit-Ratings wird erworben, nicht verkündet», so der Rechtswissenschaftler Daniel Cash.