Arabische Parteien sind die Gewinner bei Israels Parlamentswahl
Raam könnte bei Regierungsbildung entscheidend werden - wenn es denn als Partner angenommen würde

Bei der israelischen Knesset-Wahl hat das rechte Lager um Ministerpräsident Benjamin Netanjahu laut einem Kommentar der Tageszeitung «junge Welt» die Mehrheit verfehlt. Die beiden arabischen Parteienbündnisse «Vereinte Liste» und «Raam» kommen nach vorläufigen Zahlen zusammen auf 19 Sitze. Damit könnten sie bei der Regierungsbildung eine wichtige Rolle spielen. Die Wahlbeteiligung erreichte einen hohen Stand, wozu die verstärkte Mobilisierung der arabischen Bevölkerung beitrug. Diese stellt rund 20 Prozent der Bevölkerung Israels.

Eine Koalition der beiden grossen zionistischen Lager gilt als wenig wahrscheinlich. Eine Zusammenarbeit mit der Vereinten Liste wird im Kommentar als politisch kaum vorstellbar eingeschätzt. Damit könnte die konservativ-islamistische Partei Raam unter Mansur Abbas zum entscheidenden Faktor werden. Bereits 2021 unterstützte Raam eine Regierungsbildung mit Naftali Bennett und Jair Lapid. Die Partei setzt aussen- und sicherheitspolitisch andere Akzente als die Vereinte Liste, der Autor der Jungen Welt wirft Abbas vor, das Selbstbestimmungsrecht der Palästinenser zugunsten politischer Machtmöglichkeiten zurückzustellen. Ob aber Raam erneut an einer Regierungskoalition beteiligt wird, ist offen.