Bauernproteste in Indien: Kampf um Ernährungssicherheit
Widerstand gegen Freihandelsabkommen mit den USA

Indische Bauern bereiten sich auf neue landesweite Proteste vor. Die All India Kisan Sabha (AIKS) und die Samyukt Kisan Morcha (SKM), Dachverband von über 100 Bauernorganisationen, rufen für den 10. August zu Blockaden von Strassen, Bahnlinien und Gefängnissen auf. Die Protestierenden fordern eine gesetzliche Mindestpreisgarantie (MSP) für Agrarprodukte, umfassende Schuldenerlasse sowie Widerstand gegen das geplante Rahmenabkommen mit den USA. 

Das Abkommen sieht den Abbau von Zöllen auf US-Agrarimporte und die Streichung staatlicher Subventionen für indische Bauern vor. Kritikerinnen und Kritiker sehen darin eine Kapitulation vor US-Agrarmultis. Besonders umstritten ist die geplante Abschaffung des MSP-Systems. Der Staat kauft dabei Getreide zu festen Preisen von den Bauern und sichert so deren Einkommen. Gleichzeitig versorgt er über 800 Millionen arme Menschen mit günstigen Lebensmitteln. Die Abschaffung würde die Ernährungssicherheit Indiens massiv gefährden.

Die Proteste knüpfen an die historischen Bauernbewegungen von 2020/21 an, die als grösste Massenproteste der Geschichte gelten. Damals zwang der Widerstand die Regierung von Ministerpräsident Narendra Modi, drei umstrittene Agrargesetze zurückzunehmen. Nun befürchten die Bauern erneut, dem internationalen Markt schutzlos ausgeliefert zu werden.

Die SKM plant am 29. Juli in Delhi einen nationalen Arbeiter-und-Bauern-Kongress. Gewerkschaften signalisieren Unterstützung. Der Konflikt zeigt den wachsenden Widerstand gegen die Liberalisierung der indischen Landwirtschaft.