Brandenburgs Betrug am BSW: Geldangebot für Fraktionswechsel?
Interne Chatverläufe aus der früheren BSW-Fraktion im Brandenburger Landtag sorgen für Aufruhr.

Ein Abgeordneter soll zu Beginn der Legislaturperiode ein beträchtliches Geldangebot erhalten haben, um zur CDU zu wechseln. Die Protokolle, die den Redaktionen der Berliner Zeitung und der Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung anonym zugespielt wurden, stammen aus dem August und Oktober 2025.  

Demnach berichtete der heutige partei- und fraktionslose Abgeordnete Reinhard Simon in einem Gruppenchat, er habe über einen Mittelsmann ein telefonisches Angebot für den Übertritt zur CDU erhalten. Ein weiterer Abgeordneter, André von Ossowski, reagierte darauf mit Ironie und forderte ironisch das Doppelte. Beteiligt an den Chats waren unter anderem der heutige Infrastrukturminister Robert Crumbach (heute wieder SPD), Melanie Matzies und der BSW-Fraktionsvorsitzende Niels-Olaf Lüders.  

Crumbach soll die Berichte über Abwerbeversuche damals als «Unruhestiftung» abgetan haben. Wenige Wochen später verliess er selbst das BSW, wechselte zur SPD und behielt seinen Ministerposten. Dieser Schritt half massgeblich, eine neue Mehrheit für SPD und CDU zu schaffen – eine Regierung, die nach Ansicht von Kritikern nicht dem Wählerwillen der Landtagswahl 2024 entspricht.  Die CDU wies die Vorwürfe entschieden zurück. Simon und von Ossowski äusserten sich ausweichend oder gar nicht auf Anfragen. Die BSW-Fraktion sprach von «vermeintlichen Leaks» und wollte keine Stellungnahme abgeben. Der Vorfall löst neue Debatten über Fraktionswechsel, Abwerbepraxis und die Stabilität parlamentarischer Demokratie in Brandenburg aus. Ob es sich um Einzelfälle oder ein systematisches Vorgehen handelt, bleibt vorerst offen.