Chapeau! für Mountain Wilderness Schweiz

Sie setzen sich ein «für den Erhalt wilder Gebirgsräume in der Schweiz». Sie bewegen Menschen dazu, die Bergwildnis verantwortungsbewusst, kompetent und rücksichtsvoll zu erleben, ohne Spuren zu hinterlassen. Der Verein wird diesen Januar 30 Jahre alt.

Bergwildnis
Bergwildnis erleben und schützen. Foto: Silvan Metz

Unter Bergwildnis verstehen wir unberührte Gebirgslandschaften, in denen jeder, der diesen inneren Wunsch wirklich verspürt, eine direkte Begegnung mit weitläufigen Räumen erfahren sowie ihre Einsamkeit und Stille, ihre Rhythmen und Dimensionen, ihre Naturgesetze und Gefahren in Freiheit erleben kann. Der Wert der Wildnis liegt also vor allem in ihrem Potenzial, den zivilisierten Menschen zu einer schöpferischen Beziehung mit der natürlichen Umwelt anzuregen. Erst die Echtheit dieser Beziehung gibt dem Abenteuer einen nachhaltigen Sinn. (Aus den Thesen von Biella)

Mountain Wilderness International entstand 1987, als sich in Biella Bergsteiger verschiedenster Alpin-Regionen trafen. Sie alle wollten die Wildnis bewahren und schützen, vor allem vor unbewussten und egoistischen Fun-Aktivitäten, Militarismus, massen-touristische Erschliessung und Störung der Bergvölker und der Tierwelt. Die Alpinisten verfassten ein Manifest für den Schutz der Wildnis: die «Thesen von Biella». Sieben Jahre später, im Jahr 1994, wurde Mountain Wilderness Schweiz gegründet.

Als visionäre Impulsgebende fördern wir die Verbundenheit mit der Natur. Wir handeln standfest, vorausschauend und unkonventionell.

«Unter Wildnis», so heisst es in ihrem Selbstverständnis, «verstehen wir einen vom Menschen und seinen Aktivitäten unbeeinflussten Raum, wo natürliche Prozesse dominieren. Die Berge sind einige der wenigen verbleibenden Räume dieser Welt, wo wir Wildnis noch auffinden und erleben können. Die Berge sind einige der wenigen Orte, wo der Mensch Zuschauer und Besucher ist.»

Heliskiing Protest

Diese Möglichkeit wollen sie unbedingt erhalten. Am Anfang protestierte die junge Initiative vehement gegen das Heliskiing und wurde dadurch bekannt. Sie sah in dieser Luxus-Freizeitaktivität einen der schlimmsten touristischen Auswüchse gegenüber der stillen Bergwelt.

Inzwischen ist Mountain Wilderness Schweiz eine Organisation mit über 2500 Mitgliedern und vielen Arbeitsbereichen geworden. Immer geht es um das Recht auf Wildnis.

Die Berge sind Freiräume für Natur und Mensch gleichermassen.

 

Safier Berg

Mountain Wilderness Schweiz engagiert sich seit ihrer Gründung gegen den Ausbau von Infrastruktur in den Alpen. Dazu gehört auch der Rückbau obsolet gewordener Anlagen. Denn das Erleben einer wilden Berglandschaft wird immer häufiger gestört, z.B. durch immer mehr stillgelegte Skilifte. Seilbahnruinen verbleiben oft in der Natur, wenn sich der touristische Betrieb nicht mehr lohnt. Auch verfallene militärische und landwirtschaftliche Anlagen sowie Versorgungs- und Kommunikationsinfrastruktur findet man in den Bergen. Zäune, die nach Aufgabe im Unterholz verwachsen, stellen eine Gefahr für Wildtiere dar. Aufgegebene Gebäude können durch ihren Verfall giftige Bausubstanzen in die Umwelt abgeben. Das Seilbahngesetz von 2007 verpflichtet zwar die Eigentümer zum Rückbau nicht mehr genutzter Anlagen. Aber es gibt keine Frist, so wird der Abbau immer weiter herausgezögert. Militärische Anlagen sind oft sogar denkmalgeschützt. Im Herbst 2023 gab es mindestens 55 ungenutzte Skilifte in der Schweiz.

Mountain Wilderness Schweiz wurde zu verschiedenen Zeiten aktiv, sei es beim Abbau einer maroden Holzhütte oder bei der Entfernung von altem Stacheldraht aus dem Wald. Weitere Aktionen sind geplant, um Aufmerksamkeit auf dieses Thema zu lenken.

Erfolge

  • Seit 2017 wurden bei der Aktion «Stop dem Schrott» 137’550 kg Militärschrott gesammelt und entsorgt. Aus der Aktion ist die Blindgängermeldung an die Armee entstanden.
  • Aus der Sensibilisierungsoffensive «Wild im Schnee» entstand die nationale Kampagne «RespekTiere deine Grenzen»
  • 2 Gebirgslandeplätze in nationalen Schutzgebieten wurden dank der Kampagne «Stop Heliskiing» gestrichen
  • Fahrtrainings am Flüela werden aufgrund unserer medienwirksamen Aktion «Winterruhe auf Strassen» aufgehoben
  • Zahlreiche ökologische Verbesserungen im Rahmen der der Skigebiets-Zusammenlegung Andermatt/Sedrun und Lenzerheide/Arosa
  • Die erste Wildnisstudie der Schweiz wird von Mountain Wilderness Schweiz publiziert, in Zusammenarbeit mit der Eidg. Forschungsanstalt WSL
  • 7’250 Unterschriften werden im Rahmen der «Petition für werbefreie Gipfel» an die Bündner Kantonalbank übergeben.


Kontakt

Mountain Wilderness Schweiz

Sandrainstrasse 3, CH-3007 Bern

Tel. +41 31 372 30 00

[email protected]

mountainwilderness.ch
 

26. Januar 2024
von:

Über

Christa Leila Dregger

Submitted by cld on Sa, 09/17/2022 - 12:37

Christa Dregger-Barthels (auch unter dem Namen Leila Dregger bekannt). Redaktionsmitglied des Zeitpunkt, Buchautorin, Journalistin und Aktivistin. Sie lebte fast 40 Jahren in Gemeinschaften, davon 18 Jahre in Tamera/Portugal - inzwischen wieder in Deutschland. Ihre Themengebiete sind Frieden, Gemeinschaft, Mann/Frau, Geist, Ökologie.

Weitere Projekte:

Terra Nova Plattform: www.terra-nova.earth

Terra Nova Begegnungsraum: www.terranova-begegnungsraum.de

Gerne empfehle ich Ihnen meine Podcast-Reihe TERRA NOVA:
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Darin bin ich im Gespräch mit Denkern, Philosophinnen, kreativen Geistern, Kulturschaffenden. Meine wichtigsten Fragen sind: Sind Menschheit und Erde noch heilbar? Welche Gedanken und Erfahrungen helfen dabei? 

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