Die neue extrem rechte Regierung unter Präsident José Antonio Kast hat nur wenige Wochen nach ihrer Amtseinführung Mitte März 2026 mit einer harten Sparpolitik begonnen. Der Wohnungsbauminister Iván Poduje will drei Projekte der Vorgängerregierung stoppen – darunter die Enteignung eines Teils des Geländes der ehemaligen Folterkolonie «Colonia Dignidad». Dort sollte eine Gedenkstätte für die Opfer der Militärdiktatur entstehen.
Die «Colonia Dignidad» (heute Villa Baviera) wurde in den 1960er-Jahren von Paul Schäfer gegründet und kooperierte eng mit der Diktatur Augusto Pinochets. Sie war Schauplatz schwerster Verbrechen: Entführungen, Folter, Morde und das Verschwindenlassen von Menschen. Die geplante Gedenkstätte sollte das Leid der Opfer sichtbar machen, die Verantwortung des Staates anerkennen und Raum für Trauer und Reflexion bieten. Poduje begründet die Aufhebung des Enteignungsdekrets mit fehlenden finanziellen Mitteln. Das Geld sei besser für Wohnungsbau oder Sportanlagen einzusetzen. Der frühere Minister Carlos Montes widerspricht scharf: Es sei Aufgabe des chilenischen Staates, das Gedenkprojekt umzusetzen. Kritiker sehen in der Massnahme eine ideologische Entscheidung. Teile der neuen Regierung hätten die «Colonia» in der Vergangenheit verteidigt.
Gleichzeitig streicht die Regierung Subventionen für Benzin und Diesel, was zu Preiserhöhungen von bis zu 62 Prozent führt, und baut den Grenzschutz massiv aus. Die Streichung der Erinnerungspolitik löst in Chile heftige Debatten aus.