Corona-Impfung: Verspätete Meldung schwerer Nebenwirkungen
Paul-Ehrlich-Institut meldet Hunderte Fälle aus SafeVac-Studie erst Jahre später

Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) hat hunderte Verdachtsfälle auf schwerwiegende Nebenwirkungen nach Corona-Impfungen erst mit grosser Verspätung an die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) gemeldet. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der AfD hervor. Verzögerungen betrugen teilweise bis zu vier Jahren.

Im Rahmen der SafeVac-2.0-Studie, bei der unerwünschte Ereignisse über eine App erfasst wurden, meldete das PEI bis Ende 2021 zunächst 754 Studienfälle mit Verdacht auf schwere Nebenwirkungen. Bis Juni 2024 stieg die Zahl auf 2047 und bis Ende 2025 auf 2648 Fälle. Damit wurden rund 70 Prozent der Fälle nachträglich gemeldet – obwohl das Gesundheitsministerium 2025 noch erklärt hatte, schwerwiegende Fälle würden «innerhalb von 15 Tagen» weitergeleitet.

Zudem besteht eine Differenz von knapp 42 Prozent zwischen den Angaben des Ministeriums (3506 Verdachtsfälle) und den tatsächlichen Meldungen des PEI an die EMA. Die Bundesregierung begründet dies mit vorläufigen Meldungen ohne abgeschlossene Bewertung. Die Rechtsanwältin und ehemalige Richterin Franziska Meyer-Hesselbarth kritisiert das Vorgehen scharf: Ein solcher Meldeverzug ohne plausible Erklärung sei «völlig inakzeptabel» und unvereinbar mit einer gründlichen Überwachung der Impfstoffsicherheit.

Die verspäteten Meldungen betreffen Fälle, die nach Arzneimittelrecht als schwerwiegend gelten – darunter lebensbedrohliche Ereignisse, Krankenhausaufenthalte oder bleibende Schäden. Warum es Ende 2025 zu einem Schub von rund 600 Nachmeldungen kam, bleibt in der Regierungsantwort offen.