Als die Journalistin, die über die Arbeit im Schlachthof berichten will, mit dem Betriebschef die Zerlegeabteilung besichtigt, kommen sie an einer Kiste vorbei, die der Geschäftsführer seiner Besucherin zeigen will. Die Kiste ist mit Herzen gefüllt. Man stelle sich vor: eine Kiste voller Herzen.
Es sind keine Menschenherzen, sondern solche von Kühen, Rindern und Kälbern, aber das spielt keine Rolle. Ein Herz ist ein Herz. Es hat in der Brust eines Lebewesens geschlagen und diesem Lebewesen dazu verholfen, zu leben. Jetzt schlägt es noch immer, so kommt es mir vor, es schlägt und schlägt, pulsiert und pulsiert, zusammen mit allen anderen Herzen: eine Kiste voller schlagender, klopfender, pochender Herzen.
Sie pochen für nichts. Denn die Tiere, in denen die Herzen schlugen, sind auseinandergenommen. In einer zweiten Kiste sind ihre Augen, in einer dritten die Ohren, in einer vierten die Zungen, in der fünften Kiste die Hufe, für jeden Körperteil eine Kiste, so wird es sein. Ganz allein pochen die Herzen in ihrem Sarg, und ihr Pochen wird immer lauter und lauter, sie klagen, die Herzen, sie rufen, sie wimmern, das Schlachthaus erzittert von ihrer Klage, doch keiner hört sie.
Der Betriebsleiter greift in die Kiste, hebt eines der Herzen heraus und zeigt es seiner Begleiterin, als würde es ihm gehören. Er vergreift sich an einem fremden Herzen, doch er weiss nicht, was er da tut. Das Herz hängt leblos in seiner Hand. Einen Moment lang wiegt er es hin und her, als ob er abschätzen wollte, wieviel es wert ist. Dann wirft er es in die Kiste zurück.