Die Amnesty-Teams haben unter schwierigen Bedingungen Beweise gesichtet und ausgewertet, obwohl die iranischen Behörden seit dem Angriff das Internet stark eingeschränkt haben und direkte Gespräche mit Betroffenen kaum möglich sind.
Amnesty International hat:
- über 30 Satellitenbilder analysiert, um die Zerstörung der Schule und die Entwicklung des Geländes über Jahre hinweg zu rekonstruieren,
- dutzende Videos und Fotos des Angriffs verifiziert und ausgewertet,
- Raketentrümmer untersucht, die auf den Einsatz einer US-Tomahawk-Rakete hindeuten,
- forensische Analysen durch unabhängige ExpertInnen durchführen lassen und zusätzliche Informationen von externen Fachleuten eingeholt.
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Schule möglicherweise auf Grundlage veralteter Geheimdienstinformationen angegriffen wurde, ohne ausreichende Schutzmaßnahmen für ZivilistInnen zu ergreifen. Das wäre ein schwerer Verstoß gegen das humanitäre Völkerrecht. Genau solche Untersuchungen sind oft die Grundlage dafür, mögliche Kriegsverbrechen sichtbar zu machen und internationale Ermittlungen anzustoßen.
Die Bilder aus Minab sind erschütternd: zerstörte Klassenzimmer, Rettungskräfte in den Trümmern und persönliche Gegenstände von Kindern, verstreut im Staub. Mindestens 110 Schulkinder wurden getötet, ebenso Lehrkräfte und Eltern.
Ein Augenzeuge berichtet: „Die Menschen eilten herbei, um Kinder zu retten. Niemand konnte sich vorstellen, dass eine Schule getroffen wird.“
Gleichzeitig zeigen unsere Recherchen, dass selbst die überlebenden Kinder weiterem Leid ausgesetzt sind. Aussagen von AugenzeugInnen und Videobeweise deuten darauf hin, dass iranische Behörden das Leid der Betroffenen für Propagandazwecke nutzen.
So wurden verletzte und traumatisierte Kinder von staatlichen Medien bedrängt und gefilmt teils direkt an den Trümmern ihrer Schule. In einem dokumentierten Fall wurde ein zehnjähriges Mädchen mit sichtbaren Verletzungen während einer Massenbeerdigung über den Tod ihres Bruders interviewt und im Staatsfernsehen gezeigt.
Diese Instrumentalisierung verursacht zusätzliche seelische Qualen und könnten nach Einschätzung von Amnesty einen Verstoß gegen das absolute Verbot von Folter und anderer grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung darstellen.
Amnesty International fordert: Die Verantwortlichen des tödlichen und mutmaßlich rechtswidrigen Angriffs auf die Schule müssen zur Rechenschaft gezogen werden. Wir fordern eine unabhängige und transparente Untersuchung dieses Angriffs sowie die konsequente Einhaltung des humanitären Völkerrechts durch alle Konfliktparteien.