Amnesty International fordert in einem neuen Bericht die vollständige Auflösung der US-Einwanderungs- und Zollbehörde ICE. Der Bericht «We Had Whistles, They Had Guns» dokumentiert einen besorgniserregenden Anstieg von Menschenrechtsverletzungen durch ICE und andere Bundesbehörden seit Januar 2025. Die Verletzungen internationaler Standards seien systemisch angelegt und dienten der Durchsetzung einer rassistischen Agenda.
Untersucht wurden grosse ICE-Operationen in Chicago, Minneapolis-St. Paul, New Orleans und Washington D.C. Dokumentiert wurden tödliche Gewalt und rechtswidrige Tötungen, willkürliche Inhaftierungen, Isolationshaft, erniedrigende Behandlungen, ungerechtfertigter Gewalteinsatz, Verweigerung rechtsstaatlicher Verfahren, unmenschliche Haftbedingungen sowie die Unterdrückung von Protesten mit Tränengas und Pfefferspray. Auch rechtswidrige Überwachung und Gesichtserkennung kamen zum Einsatz.
Julia Duchrow, Generalsekretärin von Amnesty International in Deutschland, betont: Menschen würden systematisch massenhaft inhaftiert und abgeschoben, Angst in migrantischen Communities geschürt. Menschenrechtsverletzungen durch ICE gab es bereits früher, doch seit 2025 fänden sie in völlig neuem Ausmass statt.
Die Behörde wurde 2003 als Reaktion auf den 11. September gegründet und seither massiv ausgebaut. Schutzmassnahmen wurden geschwächt, Rechenschaftspflicht fehlt weitgehend. Gleichzeitig organisierten sich Communities in Netzwerken der gegenseitigen Hilfe und des Widerstands.Vor den Zwischenwahlen am 3. November ruft Amnesty die US-Politik dazu auf, ICE aufzulösen und ein System zu schaffen, das die Menschenrechte achtet.