Zucker im Tütchen, Ketchup im Mini-Beutel, Shampoo im Hotelzimmer: Was jahrzehntelang zum europäischen Alltag gehörte, soll bald Geschichte sein. Mit ihrer neuen Verpackungsverordnung greift die EU tief in Gastronomie, Hotellerie, Handel und Onlineversand ein. Ab 2030 werden zahlreiche Einwegverpackungen verboten, viele weitere stark eingeschränkt.
Die Liste der Vorgaben ist lang: Portionspackungen in Restaurants verschwinden, Hotelgäste müssen sich an fest installierte Seifenspender gewöhnen, Obst und Gemüse dürfen vielerorts nicht mehr vorverpackt verkauft werden, und Versandhändler werden auf die Grösse ihrer Kartons verpflichtet. Selbst die Einrichtung von Nachfüllstationen wird für grössere Geschäfte zur Pflicht.
Zweifellos ist das Ziel nachvollziehbar. Europas Verpackungsmüll wächst seit Jahren, während Ressourcen knapper werden. Doch einmal mehr setzt Brüssel vor allem auf Verbote, Vorschriften und Kontrollmechanismen. Die Folge ist ein gewaltiger Anpassungsdruck für Unternehmen, die neue Hygiene-, Logistik- und Mehrwegsysteme finanzieren müssen. Besonders kleine Betriebe dürften die Kosten spüren.
Die entscheidende Frage lautet deshalb: Gibt es wirklich keinen anderen Weg? Warum fördert die EU nicht stärker marktwirtschaftliche Anreize, Pfandsysteme oder steuerliche Vorteile für ressourcenschonende Lösungen? Weshalb werden Innovation und Eigenverantwortung nicht ebenso konsequent gestärkt wie die Regulierungsdichte?
Denn der Verpackungsirrsinn ist real. Aber ob er sich durch immer neue Verbote und ein Dickicht aus Vorschriften beseitigen lässt, ist eine andere Frage. Manchmal entsteht der Eindruck, Brüssel wolle nicht nur den Müll reduzieren, sondern gleich den Alltag seiner Bürger mitregulieren – bis hin zum letzten Zuckerpäckchen auf dem Café-Tisch.