Mehr als 49,6 Millionen Frauen, Jugendliche und kleine Mädchen leiden unter den direkten Folgen des Konflikts im Sudan. Gnadenlos überfallen und geschändet, werden sie Tag und Nacht bei der kleinsten Unachtsamkeit vergewaltigt, sobald sie irgendwo im Land von sudanesischen Männern gesehen werden.
Viele von diesen sind bewaffnete Kämpfer im ganzen Land, die sich ihnen aufzwingen und sie schlagen, ihre Beine gewaltsam öffnen und ihre Seelen ohne Zögern erschüttern, ihr Leben für immer zerstören, ihre Kindheit zunichtemachen und sie zu Märtyrertum und Stigmata verdammen, direkt vor dem kalkulierten Schweigen westlicher Nachrichtensender.
Es gibt eine Mathematik der Indifferenz, die mit schaudernder Präzision den selektiven Charakter geopolitischen Mitgefühls im Westen offenbart. Als am 15. April 2023 der Waffenkonflikt zwischen den sudanesischen Streitkräften, unter dem Kommando von General Abdel Fattah al-Burhan, und den paramilitärischen Rapid Support Forces, alias Hemedt, unter der Führung von Mohamed Hamdan Dagalo, ausbrach, schätzten internationale Agenturen etwas mehr als 12,4 Millionen Menschen in extremer Gefahr. Heute, wenn man nach mehr als drei Jahren verheerenden Krieges die ursprünglichen Zahlen vervierfacht, zeigen die konsolidierten Daten der Updates vom Juli 2026 des UN Hohen Kommissars für Menschenrechte (OHCHR) und UN Women eine kolossale und unerträgliche Zahl: mehr als 49,6 Millionen Frauen, Jugendliche und kleine Mädchen in einen Zustand absoluter Wehrlosigkeit versetzt, und systematisch sexueller Gewalt, Entführung und Knechtschaft, praktisch also der Sklaverei, ausgesetzt.
Eine Vervierfachung der Anzahl der Opfer in einer solch schwindelerregend kurzen Zeit ist nicht nur ein epidemiologischer Indikator für Barbarei. Es ist der unwiderlegbare Beweis, dass bewaffnete Aggression und geschlechtsspezifische Gewalt gegen die Körper von Frauen und kleinen Mädchen als strategische Waffe von Massenterror, ethnischer Säuberung und territorialer Kontrolle gefestigt wurden. Angesichts der größten Krise bezüglich Vertreibung und systematischer Unterdrückung von Kindern und Frauen auf diesem Planeten ist die Reaktion der großen westlichen Medienkonglomerate jedoch nicht etwa eine Krisenberichterstattung, sondern die stringente Aufrechterhaltung einer Mauer des Schweigens.
Dieses Unterlassen ist nicht auf die Informationsmüdigkeit zurückzuführen, mit der die bürgerliche akademische Schicht ihr Desinteresse rechtfertigt, sondern auf strukturelle geopolitische Gründe. Für die hegemoniale Medienlandschaft lässt sich Leid nur dann in Nachrichtenberichterstattung übersetzen, wenn es mit den defensiven oder kommerziellen Interessen der nordatlantischen Mächte vereinbar ist. Um in die sudanesische Tragödie einzutauchen, müsste man das finanzielle und logistische Netz aufdecken, das den ununterbrochenen Waffenfluss an beide Seiten schürt.
In diesem Netz der Komplizenschaft stechen die Vereinigten Arabischen Emirate direkt hervor, denn deren logistische Unterstützung und Lieferung schwerer Waffen über Routen durch Tschad und Libyen zur Versorgung der Rapid Support Forces wurde in den Berichten der Sudan-Expertengruppe der Vereinten Nationen umfassend dokumentiert und dem Sicherheitsrat vorgelegt.
Hinzu kommt die in der Vergangenheit liegende Beteiligung der Wagner-Gruppe und ihrer Nachfolgestrukturen unter der Kontrolle des Verteidigungsministeriums der Russischen Föderation. Diese werden mit dem illegalen Handel und der Ausbeutung von sudanesischem Gold im Austausch für militärische Ausbildung und Ausrüstung für die Hemedtis-Milizen in Verbindung gebracht.
Auf Seiten der regulären Armee der sudanesischen Streitkräfte wurden Waffen- und Drohnenlieferungen von staatlichen Akteuren wie Iran und Ägypten unterstützt, deren Lieferungen von unbemannten Flugobjekten die Bombenangriffe auf dicht besiedelte städtische Gebiete verstärkt haben.
Die Offenlegung, wer die Täter direkt bewaffnet, bringt wichtige Partner im globalen Energie- und Diplomatennetzwerk in die Schlagzeilen. Ja, global.
Es ist sicherer für westliche Redaktionsagendas, zu schweigen als die Wege des Kapitals und der Vorräte zu verfolgen, die das Massaker finanzieren. In diesem Moment genießt ein Hauptverursacher dieses infamen Schweigens seinen morgendlichen Cappuccino mit Croissant in einem komfortablen Büro in Washington oder Dubai, mit Klimaanlage und guter Aussicht – und natürlich mit schwerer Kurzsichtigkeit in seiner Seele.
Hinzu kommt ein struktureller epistemischer Rassismus, der Gewalt auf dem afrikanischen Kontinent als atavistisches und unvermeidliches Phänomen und als etwas Natürliches darstellt, und damit Nachrichtendienste aus der ethischen Verantwortung nimmt, über die Auslöschung von Frauen, Jugendlichen und kleinen Mädchen zu berichten.
Während europäische und nordamerikanische Redaktionen inzestuöse Debatten priorisieren, bestätigen direkt vor Ort gesammelte Beschwerden der Organisation Strategic Initiative for Women in the Horn of Africa (SIHA) in ihren Updates vom Juni und Juli 2026, dass in Regionen wie Nord-Kordofan, und insbesondere in der Nähe von El Obeid, ein System systematischer Jagd etabliert wurde. Frauen und kleine Mädchen sehen sich einem täglichen tödlichen Dilemma gegenüber: zum Ziel von bewaffneten Drohnenangriffen zu werden, quasi wie in einem Videospiel, während sie bei Tag Wasser holen, oder von Milizen abgefangen, entführt und geschändet zu werden, wenn sie versuchen, im Schatten der Nacht unterwegs zu sein.
Gleichzeitig bestätigen im Juli 2026 veröffentlichte Berichte des Sudanesischen Ärztenetzwerks und der Weltgesundheitsorganisation, dass das Gesundheitssystem in direkten Kampfgebieten zu über achtzig Prozent zusammengebrochen ist. Der absolute Mangel an Prophylaxe-Kits zur Verhinderung von HIV-Infektionen und Schwangerschaften nach Übergriffen verwandelt das Überleben in eine Strafe von körperlicher und psychischer Folter bis in alle Ewigkeit.
Das Schweigen der Medien ist nicht neutral; es ist ein Akt der Komplizenschaft. Wann haben Sie das letzte Mal eine umfangreiche Berichterstattung in der Presse gesehen oder gelesen mit der Dringlichkeit, die der Fall Sudan verdient? In jeder Minute, in der die großen Netzwerke diese Tragödie aus ihrer täglichen Berichterstattung weglassen, gewähren sie den bewaffneten Gruppen und ihren internationalen Abnehmern eine Lizenz, weiterhin die Körper von Frauen und kleinen Mädchen als Schlachtfeld für ihre Machtambitionen zu nutzen.
Unabhängiger Journalismus hat die ethische Pflicht, auf die Wurzel dieser vorsätzlichen Blindheit hinzuweisen und das Bollwerk der Straflosigkeit abzureißen. Das ist es, was wir tun.
Quellen:
- Büro des UN Hohen Kommissars für Menschenrechte (OHCHR) und UN Women. Updates zur humanitären Lage und zur geschlechtsspezifischen Gewalt im Sudan (Juli 2026).
- UN-Sicherheitsrat. Bericht der Expertengruppe für Sudan, eingerichtet gemäß Resolution 1591 (2005), bezüglich der Waffenversorgung, Logistik und Finanzierungsnetzwerke für die Rapid Support Forces (RSF) und die sudanesischen Streitkräfte (SAF).
- Strategische Initiative für Frauen am Horn von Afrika (SIHA-Netzwerk). Feldberichte über sexuelle Gewalt und Angriffe auf Frauen und Mädchen in Nord-Kordofan und Darfur (Juni–Juli 2026).
- Weltgesundheitsorganisation (WHO) und Sudanesisches Ärztenetzwerk. Bewertungen des Zusammenbruchs des Gesundheitssystems und des Mangels an Notfallmedizin in Konfliktzonen (Juli 2026).
Claudia Aranda
Chilenische Journalistin, spezialisiert auf Semiotik und politische Analyse. Internationale Analystin mit Schwerpunkt auf der prospektiven Analyse sozialer Prozesse. Sie lebt in Montreal, Québec, und berichtet für Pressenza über die aktuellen Nachrichtenfelder der Agentur sowie über zeitgenössische philosophische Debatten im Rahmen der Analyse unterschiedlicher aktueller Ereignisse. Dabei liegt ihr Fokus auf Menschenrechten, Geopolitik, bewaffneten Konflikten, Umweltfragen und technologischer Entwicklung. Humanistin und Aktivistin für gerechte Anliegen.
Die Übersetzung aus dem Englischen wurde von Ursula Nollenberger vom ehrenamtlichen Pressenza-Übersetzungsteam erstellt. Wir suchen Freiwillige!