Wie haben wir es denn früher gemacht? Früher stellte ich den Einkaufskorb vor das Band und wartete, bis es frei war. Dann erst schichtete ich meine Ware aufs Band, und die Kassiererin tippte die Preise ein. Die Kundin hinter mir tat dasselbe wie ich. Sie legte ihre Produkte erst dann auf das Band, wenn die Frau an der Kasse meine Einkäufe eingetippt und abgeräumt hatte.
Jedenfalls kann ich mich nicht erinnern, jemals Produkte bezahlt und mitgenommen zu haben, die der nächsten Kundin gehörten.
Doch eines Tages lagen da Stäbe bereit, und auf jedem Stab stand die Bitte, ihn auf das Band, hinter meine Produkte zu legen, um der nächsten Kundin zu signalisieren, wo mein Besitz endete und ihr Besitz anfing.
Da ich den Stab nicht notwendig fand, liess ich ihn unbenützt liegen. Das ging gut, bis eines Tages die hinter mir wartende Kundin denselben ergriff und ihn hinter meine Produkte legte.
Sie tat es aus Gründen der Effizienz. Sie wollte nicht warten, bis das Band für sie zur Verfügung stand. Noch während ich damit beschäftigt war, meine Produkte auf den vorderen Teil des Bandes zu schichten, konnte sie schon beginnen, den hinteren Teil zu belegen. Der Stab dazwischen diente als Grenze. Die Produkte der Kundin erreichten schneller die Kasse, die Kundin konnte schneller bezahlen, sie konnte schneller den Laden verlassen, schneller wieder zuhause sein, schneller leben.
Doch obwohl ich begriff, warum die modernen Menschen so handeln, blieb ich störrisch. Ich lege den Stab, der offiziell als Warentrenner bezeichnet wird, noch heute nicht hin. Ich lasse zu, dass die Ordnung durcheinander gerät.
Sekunden später jedoch liegt der Stab auf dem Band. Die hinter mir wartende Kundin hat es für mich getan. Für mich und für sich. Alles muss am richtigen Platz sein. Wir brauchen das. Wir brauchen die Warentrenner wie Haltegriffe. Wie Mauern gegen die Unsicherheit. Gegen die Ungewissheit des Lebens, das die Stäbe hinwegschwemmt wie ein reissender Bach die Logik seiner Verbauung.
*
Als ich das letzte Mal einkaufen war, sagte ich an der Kasse zu der jungen Frau hinter mir: «Jetzt legen wir keinen Stab zwischen meine und Ihre Ware, einverstanden?»
Sie war einverstanden. Sie verstand, was ich meinte, und wir tauschten ein Lächeln. Mit etwas Abstand legte sie ihre Produkte hinter die meinen. Ohne Mauer und Stacheldraht. Für einen kurzen Moment herrschte an der Supermarktkasse die natürliche Ordnung der Anarchie.