Israel entstand 1948 nach dem UN-Teilungsplan. Nach dem Sechstagekrieg 1967 kontrollierte es das gesamte ehemalige britische Mandatsgebiet. Das Grossisrael-Projekt bedeutet, diese Gebiete (Westjordanland, Gaza, Ostjerusalem) dauerhaft zu behalten und einen palästinensischen Staat zu verhindern. Die Idee reicht bis zur Balfour-Deklaration 1917 zurück.
Sachs erklärt: «Das sogenannte Grossisrael-Projekt ist ein Begriff, der den Wunsch beschreibt, all das Gebiet zu behalten, das im Sechstagekrieg erobert wurde, und jede Form eines palästinensischen Staates abzulehnen.»
Im Gebiet leben etwa gleich viele Juden und palästinensische Araber (je ca. 8 Millionen). Die Ideologie impliziert Herrschaft, Vertreibung oder Vernichtung: «Die acht Millionen jüdischen Israelis sollen über die acht Millionen palästinensischen Araber herrschen – oder sie vertreiben, ethnisch säubern oder töten. Und genau das geschieht derzeit in erschreckendem Ausmaß im Krieg Israels gegen Gaza.»
Die radikale Regierung und religiöse Suprematie
Die Netanjahu-Regierung sei die extremste in Israels Geschichte. Neben dem sicherheitspolitischen Argument gewinne die religiöse Komponente an Gewicht, insbesondere durch Siedler und Minister wie Smotrich und Ben-Gvir.
Sachs urteilt: «Sie vertreten eine jüdische Überlegenheitsideologie, die ich als amerikanischer Jude völlig abstoßend, widerlich und im Widerspruch zu zweitausend Jahren jüdischer Lehre im rabbinischen Judentum empfinde.» Und weiter: «Die Ansichten von Leuten wie Smotrich und Ben-Gvir sind ... faschistisch, widerlich und in meinen Augen völlig extremistisch. Sie haben nichts mit dem rabbinischen Judentum zu tun.»
Er kritisiert die tribale Sicht, wonach nur jüdisches Leben zähle, und zitiert extreme Aussagen der Minister, wonach für ein jüdisches Leben hunderte arabische zu opfern seien. Dies sei keine Randmeinung, sondern «die Doktrin der aktuellen israelischen Regierung».
Strategie und Rolle der USA
Netanjahu verfolge seit 30 Jahren die „Clean Break“-Strategie: Statt Verhandlungen sollten unterstützende Regime (Irak, Syrien, Iran etc.) gestürzt werden. Die USA hätten dies massiv unterstützt.
Sachs fasst zusammen: «Seit 1996 hat die amerikanische Regierung im Wesentlichen das Großisrael-Projekt unterstützt und ständig Kriege geführt, um Israels Anspruch durchzusetzen, Regierungen zu stürzen, die palästinensische Rechte unterstützten.»
Warum das Projekt zusammenbricht
Trotz militärischer Erfolge erzeuge die Politik permanenten Widerstand, internationale Isolation und hohe Kosten. Sie sei weder moralisch noch praktisch tragbar. Sachs plädiert für eine politische Lösung mit palästinensischem Selbstbestimmungsrecht (z. B. Zwei-Staaten-Lösung).
In seinem begleitenden Al-Jazeera-Artikel und im Gespräch betont er: Das Projekt müsse beendet werden, um Frieden zu schaffen. Die aktuelle Gewalt zeige dessen Scheitern und die Notwendigkeit eines Kurswechsels, insbesondere bei der US-Politik.
Fazit: Sachs sieht in der Grossisrael-Ideologie die Wurzel vieler Regionalkriege. Sie widerspreche nicht nur dem Völkerrecht und moralischen Grundsätzen, sondern auch jüdischen Werten. Ihr Zusammenbruch biete eine Chance für Deeskalation und echte Verhandlungen.